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hr2 Der Tag

Justiz und Unabhängigkeit: Das kommt uns spanisch vor

Angeklagt waren sie wegen Rebellion, was 25 Jahre Gefängnis hätte bedeuten können. Verurteilt wurden sie "nur" wegen Aufruhrs zu neun bis 13 Jahren Gefängnis: die katalanischen Separatisten. Den Straftatbestand der Rebellion gibt es bei uns nicht, weshalb auch das deutsche Gericht, das über die Auslieferung des ehemaligen katalanischen Regierungschefs Puigdemont urteilen musste, ihn frei ließ. Carles Puigdemonts lebt im Exil in Brüssel, seine Weggefährten sitzen aber in Spanien im Gefängnis. Das Urteil über sie spaltet das Land nun wohl endgültig, auch wenn es am Ende vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg keinen Bestand hat. Das Urteil wirft auch erneut die Frage nach der Unabhängigkeit der Justiz in Spanien auf - und nach der Verfassung des spanischen Rechtsstaates. Kann es sich ein Land im Europa des 21. Jahrhunderts leisten, dermaßen hart mit einer Bewegung umzugehen, die sich zunächst nur vom allzu engen Gängelband des Zentralstaates lös...
(15.10.19 17:00 Uhr)
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Mit dem Strom – Wie Streaming unsere Welt verändert

Wir machen es fast alle: wir nutzen das Internet für mediale Inhalte. Großer Wachstumsmarkt sind dabei die Streamingdienste. Sie bieten Musik und Videos, Hörspiele, Sportereignisse oder auch den Livestream einer Straftat. Diese Angebote haben unser Medienverhalten bereits komplett verändert. Sie verändern aber auch die Inhalte selbst. Musik wird anders komponiert für diesen Markt, Filme anders geschnitten. Denn: Was nicht in wenigen Sekunden die Aufmerksamkeit der Nutzer fesselt, hat es schwer, wahrgenommen zu werden. Woran die Streaming Nutzer selten denken, ist der immense Energieverbrauch der durchs Streamen entsteht. Streamen kann man nur mit Strom und der wird meistens nicht umweltfreundlich erzeugt. Ein "Tag" zu Chancen, Risiken und Nebenwirkungen des Streamens.
(14.10.19 17:00 Uhr)
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Halle und die Brandstifter - Wenn Worten Taten folgen

Die Spirale der rechten Gewalt dreht sich weiter in Deutschland. Nach Brandanschlägen und Tätlichkeiten folgten gezielte Morde - und jetzt ein paramilitärischer Angriff auf eine Synagoge mit wahllosen Schüssen auf Passanten. Nicht nur die Grenzen des Gesagten verschieben sich immer weiter, nicht nur die Sprache wird immer gewalttätiger, auch die tatsächliche Gewaltanwendung wird brutaler. Und auch wenn es am Ende immer wieder Einzeltäter gewesen sein sollen, die bestenfalls wenige Helfer gehabt haben sollen, so bewegt sich das Ganze doch im Umfeld ausgedehnter und ausgefeilter Netzwerke. Und die reichen längst hinein in die Polizei und die Armee und sie haben auch ihren parlamentarischen Arm. Die geistige Blase der Rechten findet längst nicht mehr nur im Internet statt, sie hat sich ausgedehnt in die Zivilgesellschaft. Dort sitzen die Vordenker, die als Biedermänner daher kommen und beständig daran arbeiten, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, womit dann auch das ebe...
(11.10.19 17:00 Uhr)
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Das doppelte Preischen - ein Drama nach Halbfred Nobel

Letztes Jahr gab es gar keinen - dafür wird der Literaturnobelpreis in diesem Jahr gleich zweimal vergeben. Die Preisträger müssen sich zwar nicht das Geld, wohl aber den Ruhm teilen. Schuld daran ist die Jury, die sich selbst zum Krimistoff entwickelt hatte. In bester Sex and Crime Tradition leistete sich die Jury einen Skandal. Der Ehemann einer Jurorin wurde wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung verurteilt. Die Taten hatte er in einem Kulturklub begangen, den er mit seiner Frau betrieb und für den sie ihm auch Gelder des Nobelkomitees zugeschoben haben soll. Die Ehefrau musste danach regelrecht genötigt werden, ihren Sitz in der Jury zu räumen. Sie ließ sich ihren Abgang von der Akademie vergolden. Bis heute kassiert sie ein monatliches Salär. Man kann das Erbe Alfred Nobels offenbar nicht nur an preiswürdige Menschen vergeben. Also: Wie arbeiten solche Jurys? Und warum wollen Autoren unbedingt Preise gewinnen? Oder brauchen sie sie sogar? Fragen, die der Tag h...
(09.10.19 23:00 Uhr)
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Iss doch Käse! - Das Listerium der Wurst

Verrostete Rohre, schimmelige Salami - und am Ende Bakterien in der Wurst. Das liefert eine hessische Wurstfabrik und ist damit womöglich schuld am Tod zweier Menschen und der Krankheit vieler. Die überall verbreiteten Bakterien der Gattung Listeria können auch in eingeschweißten Lebensmitteln überleben und bei deren Verzehr eine Listeriose auslösen, die bei geschwächten Menschen bisweilen tödlich verlaufen kann. Das passiert aber nur, wenn besonders viele der Bakterien aufgenommen werden, wenn die Lebensmittel also regelrecht verseucht sind. "Die Dosis macht das Gift“ hat Paracelsus gesagt. Und so war das wohl auch im Fall der hessischen Wurstfabrik. Was allerdings hätte verhindert werden können, sagt die Organisation Food Watch, weil die hygienischen Missstände bei Produktion und Lagerung der Wurst trotz einiger Warnungen zu spät erkannt und dann auch noch zu spät gemeldet wurden. Einmal mehr ist nun ein Lebensmittelhersteller dicht. Was bleibt sind die Missstände ...
(09.10.19 17:00 Uhr)
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Der neue Horst - Innenminister und Außengrenzen

Horst Seehofer reist nach Ankara. Der deutsche Innenminister verhandelt dort mit den Außenministern. Dann fliegt der deutsche Innenminister nach Athen und spricht dort mit den Migrationsexperten der neuen konservativen Regierung. Und dann verkündet Horst Seehofer einen neuen Plan für die Aufnahme von Bootsflüchtlingen, den er am Dienstag mit den Innenministern der Europäischen Union diskutieren will. Er will den Flüchtlingsdeal der EU mit der Türkei retten. Er will die Aufnahmeländer Griechenland und Italien entlasten. Er will das peinliche Gezerre um auf Hilfsschiffen umherirrende Gerettete beenden. Er will ganz offensichtlich nicht mehr wegschauen. Was ist in diesen Mann gefahren, dass er sich plötzlich von den Hilfsorganisationen bescheinigen lässt, er sei auf dem richtigen Weg, während Unionspolitiker öffentlich auf Distanz gehen? War das ein politischer Alleingang oder ist das neue Regierungspolitik? Gibt es jetzt wirklich einen anderen Umgang der EU mit den Flücht...
(08.10.19 17:00 Uhr)
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Beste Randlage – der Aufschwung in Portugal

Wer bei Portugal gleich wieder an Fado denkt, überhört und übersieht, dass da heute eine ganz andere Musik spielt. Und wer im Südwesten Europas sein Armenhaus vermutet, hat nur nicht mitbekommen, dass es in Portugal seit einiger Zeit aufwärts geht. 2011 musste sich das Land mit Griechenland und Irland unter den EU-Rettungsschirm begeben. Eine bürgerliche Koalition legte anschließend ein strenges Sparprogramm auf. Die nachfolgende sozialistische Minderheitsregierung nahm unter misstrauischen Blicken der EU-Partner einige Härten zurück, setzte aber weiter auf Haushaltsdisziplin. Das Ergebnis: das Staatsdefizit schrumpft, die portugiesische Wirtschaft wächst, ebenso das Angebot an Arbeitsplätzen. Die Portugiesen bekommen auch wieder mehr Kinder. Rechtspopulisten spielen in der Politik keine Rolle, obwohl auch die negativen Folgen des Wohlstandes schon spürbar sind: in Lissabon steigen Mieten und Immobilienpreise steil nach oben. Nach der Wahl am 6. Oktober werden wir sehen,...
(07.10.19 17:00 Uhr)
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Schmerz, lass nach – Die betäubte Gesellschaft

Ein Indianer kennt keinen Schmerz, heißt ein veralteter Spruch. Da wir aber verletzlich sind, kennen wir ihn eben doch, den Schmerz. Und wir gehen sehr unterschiedlich damit um. Manches lässt sich aushalten, manches schnell mit einer Tablette bekämpfen. Aber es gibt auch Schmerzen, die Menschen an den Rand des Wahnsinns treiben, oder in die Abhängigkeit von schmerzlindernden Substanzen. In den USA hat die leichtfertige Verschreibungspraxis von Opioiden dazu geführt, dass Millionen Menschen in die Sucht getrieben wurden. Täglich sterben dort über hundert Menschen an einer Überdosis. In Deutschland ist man zwar wesentlich vorsichtiger beim Einsatz von Opioiden, aber der Schmerzmittelgebrauch ist in den letzten Jahren stark angestiegen, auch in Deutschland. Trotzdem bekommen nicht alle, die wirklich Linderung bräuchten auch die angemessenen Mittel und andererseits ist zu viel frei verkäuflich. Zeit also, sich dem Schmerz zu stellen.
(04.10.19 17:00 Uhr)
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Die Mauer im Kopf - 30 Jahre nach der Wende

Wie wurden die Ostdeutschen, was sie sind? Hinter dieser Frage verbirgt sich mehr als man auf den ersten Blick meint. Denn im Umgang mit der DDR wird eine Reihe verpasster Chancen zur geschichtlichen Aufarbeitung deutlich. Es gab keine Entnazifizierung. Im Gesellschaftsbild der DDR kamen alte Nazis einfach nicht mehr vor. Und nach der Wende investierte man kaum Energie in die Aufarbeitung der sozialistischen Diktatur, weil man diese Energie dazu brauchte, mit dem Neuen zurecht zu kommen. Eine Gesellschaft entstand, deren einzige Konstante der Wandel war und für die der Bruch zur grundlegenden Erfahrung wurde. Wo sind die "Zonenkinder“ von damals heute? Was bestimmt ihre Perspektive? Und ist der kulturell-gesellschaftliche Graben zwischen Ost und West immer noch so tief, dass man darin versinken kann?
(02.10.19 17:00 Uhr)
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