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Montag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Deutsche im türkischen Exil Wissenschaftsmigration 1933-1945 Die Bagdadbahn Durch die Schluchten des Taurus Das Kalenderblatt 26.7.615 K"inich Janaab" Pakal I. wird mit zwölf Jahren Herrscher Von Klaus Uhrig Deutsche im türkischen Exil: Wissenschaftsmigration 1933-1945 Autorin: Claudia Steiner / Regie: Kirsten Böttcher In der Zeit des Nationalsozialismus gingen viele verfolgte und kritische Wissenschaftler ins Exil in die Türkei. Architekten, Bildhauer, Juristen, Botaniker, Physiker und Mathematiker kamen ins Land. Die türkische Regierung hatte Reformen angestoßen, das Land brauchte westliches Know-how. Die Forscher bekamen zeitlich befristete Verträge und mussten sich verpflichten, Türkisch zu lernen. Dafür halfen sie beim Aufbau türkischer Behörden, Institutionen und Hochschulen. Wissenschaftler, die ausgebürgert wurden, bekamen in ihren Pass "heimatlos" gestempelt. Der Begriff "haymatloz" ging später als Synonym für Exilanten in die türkische Sprache ein. Die Verfolgten und Vertriebenen waren aber nur ein Teil der auslandsdeutschen Gemeinde, denn die Türkei hatte bereits seit Mitte der 1920er Jahre ausländische Gelehrte ins Land geholt - unabhängig von ihrem religiösen oder politischen Hintergrund. Nach dem Krieg verließen viele Forscher, Wissenschaftler und Intellektuelle die Türkei wieder. Einige aber blieben. Die Bagdadbahn - durch die Schluchten des Taurus Autor: Herbert Becker / Regie: Sabine Kienhöfer Im Oktober 1903 wurde der Bau der Bagdadbahn in Angriff genommen. Für Kaiser Wilhelm II. war die rund 1.600 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Zentral-Anatolien ins Zweistromland ein Prestigeobjekt von wirtschaftlicher wie militärstrategischer Bedeutung, die europäischen Großmächte Britannien, Frankreich und Russland dagegen sahen durch das Unternehmen ihre Interessen im Orient gefährdet. Damit war der Verkehrsweg von Anfang an nicht nur ein Symbol dafür, dass sich Okzident und Orient näher rückten, sondern auch ein Politikum, das zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs beitrug. Dass der Bau der Bagdadbahn darüber hinaus eine ingenieurtechnische Meisterleistung darstellte, ist unbestritten. Erstsendung: BR 2008 Moderation: Florian Kummert Redaktion: Thomas Morawetz

Montag 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - "Let"s talk about Sex"

Das meist besprochene Tabu der Welt (1). Gestaltung: Christa Nebenführ Egal ob es sich um Romane, Filme, Serien, Magazine, Werbeplakate oder Social Media handelt, sexuelle Inhalte sind allgegenwärtig. Unterschwellige Botschaften sollen zum Kauf von Produkten anregen, pornographische Inhalte die Lust der Betrachtenden wecken oder steigern, und Bücher, Broschüren und Blogs Informationen liefern. Hat sich die gesellschaftliche Sicht auf Sexualität verändert? Aktuell werden in der Sexualwissenschaft vier Hauptfunktionen unterschieden: Die menschliche Sexualität dient der Fortpflanzung, sie ist ein Bindungsfaktor in Beziehungen, sie spendet Lust und sie spielt eine identitätsstiftende Rolle. Keines dieser Felder kann aus dem kulturellen Kontext herausgelöst werden. Mit der breiten Verfügbarkeit von Social Media und dem Aufbrechen des binären Codes der gegengeschlechtlichen Zweierbeziehung ist der Aspekt der sexuellen Identität in den Vordergrund gerückt. Expert/innen konstatieren einen Trend, Sexualität nicht mehr als etwas grundlegend Existenzielles und Dramatisch-Dämonisches zu begreifen, sondern als ein Element des Wohlbefindens. Hieß es bei den Großeltern der Boomer-Generation noch: "Das Gestohlene ist ja doch das Schönste", scheint die Lust am Tabubruch nicht mehr ins Gewicht zu fallen. Sex hat seine Anrüchigkeit verloren. Wie offen gestaltet sich im Licht dieses Paradigmenwechsels der persönliche Austausch über Sexualität? Welche Auswirkungen hat der Dialog? Eine sexuelle Begegnung ist im Idealfall ein Akt gelungener Kommunikation. Christa Nebenführ hat Menschen verschiedener Generationen und sexueller Orientierungen, Therapeut/innen, Buchautor/innen, Social Media User/innen und Dientleister/innen zur Kommunikation über Sex befragt und sich in Medien und Fachpublikationen kundig gemacht.

Montag 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Der optimistische Nihilist Paul Watzlawick

"Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst" (1). Gestaltung: Andreas Maurer Seine Buchtitel gleichen Werbeslogans, sein Statement "Man kann nicht nicht kommunizieren" hat bis heute Gültigkeit. Paul Watzlawick (1921-2007) war Philosoph, Psychotherapeut, Wirklichkeitsforscher, Kommunikationswissenschaftler, Visionär und Aufklärer - ein Spurenleser, ein Übersetzer der großen Fragen des Menschen und: Kärntner. Gerne reiste der Stanford-Professor zu Vorträgen in seine Geburtsstadt Villach und schwärmte im heißen Kalifornien vom heimatlichen Dobratsch. Wer also war Paul Watzlawick als Mensch? Wofür steht sein Werk noch heute? Andreas Maurer ist anlässlich seines 100. Geburtstags diesen beiden Fragen nachgegangen. Herausgekommen ist dabei ein Porträt über einen "blauäugigen Gentlemen", dessen Wurzeln in Italien und Böhmen liegen, der die Kriegszeit in Europa hautnah miterlebte, in Bombay und El Salvador arbeitete und in Kalifornien Weltkarriere machte. Soviel sei aber schon jetzt verraten: Paul Watzlawick war ein Pop-Philosoph, ein optimistischer Nihilist, der das 2. Klavierkonzert von Rachmaninow liebte und der schließlich erkannt hat, dass "die Sinnlosigkeit der Suche nach endgültigen Lösungen sich dann sogar als höchst sinnvoll erweist, nämlich als Irrweg, der beschritten werden muss, um sich als Irrweg zu erweisen und so den Weg freizugeben für das Ergebnis der zeitlosen Fülle des gegenwärtigen Augenblicks." (P. Watzlawick: "Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen"; 1986)

Montag 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Nobody"s perfect

Wie mit Scheitern umgehen? (1). Gestaltung: Kompositionsstudentin Noëmi Haffner von der mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien in Zusammenarbeit mit Hans Groiss Perfektion ist ein Ziel, das Menschen motivieren kann. Andererseits entspricht Perfektion kaum der Natur des Menschen und der Welt, daher ist sie in der realen Welt absurd, in der Kunst subjektiv, aber auf jeden Fall fesselt sie zur Kreativität. Im Konzert oder bei Performances steht die Unterhaltung des Publikums im Vordergrund. MusikerInnen müssen richtig spielen und dabei Emotionen zeigen - dabei darf kein Fehler passieren, glauben die Künstler auf der Bühne. Das Publikum ist weniger streng, wenn die Aufführung nicht 100%ig perfekt war. Viel eher geht es um überspringende Leidenschaft. Bei einer Komposition stehen die Meinungen von musikaffinen Menschen im Mittelpunkt. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, deshalb gibt es keine "perfekte" Komposition. Es gibt aber Kompositionen die gewisse Parameter oder Regeln perfekt erfüllen, das heißt aber nicht, dass sie auch jedem und jeder gefallen. Nicht immer, aber oft ist Perfektionismus etwas Übertriebenes. Manchmal motiviert eine solche "Superaufgabe" nach dem Prinzip: "Wenn du auf den Mond willst, ziele auf entfernte Sterne". In der Praxis nimmt Perfektion jedoch oft zu viel Zeit und Energie in Anspruch - und macht das künstlerische Schaffen einseitig. Ob jemand Konzertmeister bei den Wiener Philharmonikern ist oder ein Kind die Großeltern beim Klassenabend in der örtlichen Musikschule begeistern will, macht wohl einen Unterschied. Musikproduktion lebt auch vom Perfektionismus. Die Digitalisierung hat zu einer Sucht nach sterilem Klang geführt - wir hören sofort, wenn etwas ungenau gesungen und nicht digital nachgebessert wurde. Unsere Ohren wurden umerzogen. Aber auch Scheitern ist essenziell beim Lernen. Musiker/innen ist Frust nicht fremd: Vor der Kür kommt die Pflicht, ist das Motto. Wird dieses Streben nach Erfolg und Erfüllung zum selbstauferlegten Stress oder kommt der eigentliche Druck erst dann, wenn sich KünstlerInnen mit anderen vergleichen? Wettbewerbe, Social Media und Homestudio machen das Musikerleben nicht leichter. Wie viele Mozarts und Rolling Stones vegetieren glücklich in ihren Kellerstudios? Welcher absolute Superstar ist nicht auf irgendeine Art und Weise schon gescheitert? Das Streben nach absoluter Perfektion in der Musik inkl. dem Business dahinter, führt bei vielen prominenten Musikern zu psychischen Erkrankungen und selbstzerstörerischem Verhalten wie Sucht oder Suizid. "Was mich nicht umbringt, macht mich stärker" ist ein Zitat des Philosophen Friedrich Nietzsche. Für den Prozess des Scheiterns bedeutet das: solange kein irreparabler Schaden entstanden ist, kann gestärkt aus einer Krise herausgegangen werden. Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien fragen gemeinsam mit Radiojournalist Hans Groiss bei Perfektionist/innen nach, überdenken mit Philosoph/innen, analysieren mit Gescheiterten und suchen Lösungsansätze mit Psycholog/innen.

Montag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Tassilo III. Das Ende der Agilolfinger Widukind Der Sachse, der Heide bleiben wollte Das Kalenderblatt 26.7.615 K"inich Janaab" Pakal I. wird mit zwölf Jahren Herrscher Von Klaus Uhrig Tassilo III. - das Ende der Agilolfinger Autor: Thomas Grasberger / Regie: Rainer Schaller Vier Jahrzehnte lang herrschte der Agilolfinger Tassilo III. weitgehend unabhängig über sein Herzogtum Bayern - fast wie ein König. Das Land, so berichten es die Quellen, war fruchtbar und erlebte eine kulturelle Blüte. Aber die Eigenständigkeit des Bayern Tassilo ging seinem rücksichtslosen Cousin zu weit: Frankenkönig Karl, der wenige Jahre später Kaiser wurde und als der Große in die Geschichtsbücher einging, verfolgte ein ehrgeiziges Ziel: Alleinherrscher über ein riesiges Reich wollte er werden. Neben ihm durfte es keinen anderen geben - da kannte Karl keine Verwandten! Und so kreiste er Tassilo mit geschickten diplomatischen und militärischen Manövern ein und versetzte dem Bayernherzog im Sommer 788 bei der Reichsversammlung in Ingelheim am Rhein den politischen Todesstoß. In einem konstruierten Gerichtsverfahren, dessen Ergebnis vorher feststand, klagte er Tassilo III. wegen angeblichen Treuebruchs an und verurteilte ihn und seine ganze Familie zu lebenslanger Klosterhaft. Widukind - der Sachse, der Heide bleiben wollte Autor und Regie: Frank Halbach Widukind, schriftlich erstmals erwähnt im Jahr 777 als einer der "Vornehmsten" und "Ersten" der damaligen "Westfalen", erlangte Berühmtheit in den sogenannten Sachsenkriegen, als heidnischer Kontrahent des Christen Karl des Großen. Wenig Konkretes ist über den Sachsenherzog Widukind bekannt, die historische Überlieferung erstreckt sich gerade einmal über acht Jahre. Trotzdem - oder gerade deshalb - wurde Widukind zum Gegenstand von Legenden, zum Anlass von Festen und Gedenktagen. Er wurde zum Mythos. Ein Mythos, der immer weiter gedichtet, ausgeschmückt und durch die Jahrhunderte für eine Vielzahl zeitgebundener Leitbilder herhalten musste: als heidnischer Heerführer, als bekehrter frommer Christ, als germanischer "Rasseheld". Nach dem Missbrauch für die NS-Propaganda scheint der Mythos von Widukind inzwischen verblasst. Er erscheint bedeutungslos im Schatten seines einstigen Widersachers Karl des Großen, der zum Urvater des christlich-abendländischen Europa stilisiert wurde. Wer Widukind wirklich war, wie er war, lässt sich nicht zuverlässig beantworten. Aber wie er rezipiert wurde, wirft mehr als nur ein Schlaglicht auf die deutsche Geschichte. Erstsendung: BR 2018 Moderation: Thies Marsen Redaktion: Thomas Morawetz

Montag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Die Kunst des Helfens Von der Notwendigkeit und den Herausforderungen, für andere da zu sein Von Kai Adler Sie kann uns beglücken und erfüllen, nicht selten führt sie zur Erschöpfung derer, die sie anbieten. Trotzdem wir ohne sie nicht auskommen, wird sie nicht immer wertgeschätzt. Die Rede ist von der Hilfe und all jenen, die sie anderen geben, beruflich oder privat: Ohne die zahlreichen professionellen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer geht nichts in unserer Gesellschaft, das hat Corona nur noch deutlicher werden lassen. Doch jeder, der schon einmal Hilfe angeboten oder angenommen hat, weiß um die Tücken dieser eigentlich doch positiven Tätigkeit. Denn Hilfe will nicht nur gegeben, sie muss auch gewollt werden. Helfen führt oft dazu, dass Machtgefälle entstehen und erfordert vom Helfenden nicht nur Fremdfürsorge, sondern ebenso notwendig Self Care. Helfen braucht Strukturen und Ressourcen, um nachhaltig wirken zu können.

Montag 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

"Let"s talk about Sex". Das meist besprochene Tabu der Welt (1). Gestaltung: Christa Nebenführ Der optimistische Nihilist Paul Watzlawick. "Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst"(1). Gestaltung: Andreas Maurer Nobody"s perfect. Wie mit Scheitern umgehen? (1). Gestaltung: Gestaltung: Hans Groiß und Studierende

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