Tagestipps im Radio

Tagestipps

Sonntag 18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Nachspiel

Da geht noch was! 50 Jahre Frauenfußball in Deutschland Von Wolf-Sören Treusch "Wir brauchen keine Eier - wir haben Pferdeschwänze". Gleichermaßen ironisch wie selbstbewusst warb die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft im Jahr 2019 für sich. Der Weg bis zur öffentlichen Anerkennung war jedoch ein weiter, oftmals dorniger Weg. Erst am 31. Oktober 1970 erlaubte der DFB den Frauen, im Verein Fußball zu spielen. Frauenpower kam auf den Platz, der Kampf gegen die Klischees blieb. Fußballspielende Frauen wurden belächelt, bespöttelt und chauvinistisch beleidigt. Erst als die Nationalmannschaft 1989 den ersten von insgesamt sieben Europameisterschaftstiteln gewann, wurde die Männerwelt ruhiger. Die deutschen Frauen wurden noch zweimal Weltmeister und gewannen 2016 bei Olympia Gold. Die Vereinsmannschaften aus Frankfurt, Potsdam und Wolfsburg dominierten viele Jahre die Champions League. Der Frauen- und Mädchenfußball in Deutschland boomte. Mittlerweile jedoch steckt er im Mittelmaß fest. Ambitionierte Vereine wie RB Leipzig bringen neuen Schwung und lassen hoffen, dass die faszinierende Sportart Frauenfußball 50 weitere erfolgreiche Jahre erleben wird.

Sonntag 18:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Hörspiel

Sommertag Nach Jon Fosse Übersetzung aus dem Norwegischen: Hinrich Schmidt-Henkel Regie: Ulrike Brinkmann Mit: Monica Bleibtreu, Marina Galic, Lieselotte Rau, Katja Tippelt, Falk Rockstroh und Max Giermann Vokalkomposition: Hilde Kappes Ton: Lutz Pahl Produktion: DeutschlandRadio Berlin 2001 Länge: 75"17 Ein einsames Haus am Fjord. Den jungen Ehemann zog es oft auf das Meer hinaus, auch an jenem stürmisch-regnerischen Tag. Seine Frau, inzwischen gealtert, erlebt den Tag immer wieder. Ein Hörspiel über das Erinnern und Vergessen. Ein Haus an einem Fjord, ein Sommertag. Damals hat es geregnet, als die junge Frau ihren Mann zum letzten Mal zum Meer hinuntergehen sah. Ihre Freundin war zu Besuch, als irgendwann die Suchmannschaft sein Holzboot fand und das Telefon klingelte. Immer wieder durchlebt die Frau diesen Tag, an dem der Mann trotz Sturm auf den Fjord rausfahren wollte und sie von Anfang an unruhig war. Immer wieder ging sie zum Fenster, hielt nach ihm Ausschau - bis heute tut sie das, sucht nach Antworten auf die offen gebliebenen Fragen. Eigentlich wollten beide glücklich werden fernab der Stadt, im eigenen Haus, doch dann fuhr er immer öfter, immer länger zum Fischen. Die alte Frau beobachtet sich selbst als junge Frau, steht wartend neben ihr am Fenster. Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen, der Verlust bleibt unerklärt. Jon Fosse, geboren 1959 in der norwegischen Küstenstadt Haugesund, ist Dramatiker, Romancier, Lyriker und Kinderbuchautor. Auszeichnungen u.a.: Nordischer Dramatikerpreis, Internationaler Ibsen-Preis, Europäischer Preis für Literatur, Literaturpreis des Nordischen Rates. 2003 erschien die Novelle "Das ist Alise", die Vorlage des Hörspiels "Sommertag". Mit dem Drama "Meer" hat sich Fosse 2014 vom Theater verabschiedet und der Prosa zugewandt. Romane u.a. "Morgen und Abend" (2000), "Der andere Name. Heptalogie I-II" (2019). Sommertag

Sonntag 19:05 Uhr Ö1

Contra - Kabarett und Kleinkunst

Die Science Busters: Global Warming Party House Warming Party kann jeder. Aber bei der Global Warming Party müssen alle Menschen mithelfen - und tun das leider auch seit knapp 200 Jahren. Der Kabarettist Martin Puntigam, der Astronom und Science Blogger Florian Freistetter sowie der Molekularbiologe Martin Moder beschäftigen sich in ihrer Wissensshow mit Kamelen in Australien, 500 Millionen toten Tieren und der Suche nach dem Planeten B. Nebenbei wird erläutert, warum Segelohren optimal für den Klimawandel wären und experimentiert, ob man die ganze Angelegenheit vielleicht wegsaufen könnte. Die Science Busters liefern Erklärungen zu Fragen wie: "Bekommt man Sonnenflecken auch schon bei 40° wieder raus?", "Kann ich meine Katze als Geigerzähler verwenden?", oder "Wohin soll man auswandern, wenn auf der Erde der Klimawandel doch gewinnt?". Gestaltung: Elisabeth Stratka

Sonntag 19:19 Uhr SWR2

SWR2 Jazz

Thirdstream Reloaded? Musik von Michael Wollny, Johanna Summer, Steffen Schorn u. a. Von Michael Rüsenberg In den 1950er-Jahren schwebte Gunter Schuller ein "dritter Strom" vor, in dem Jazz und Klassik aufgingen. "Thirdstream" nannte er diese Bewegung. Schuller hat den Begriff nicht nur geprägt, sondern auch als Komponist die Entwicklung angeschoben. Sie ist nicht abgeschlossen, sie ist lebendig nach wie vor - auch wenn heute anderes zusammenfließt als damals. Warum also sollte man den Begriff "Thirdstream" nicht aktualisieren, wenn Michael Wollny Paul Hindemith und Alban Berg auf seine Art spielt? Wenn die Pianistin Johanna Summer in ihren Improvisationen Motive von Robert Schumann aufscheinen lässt?

Sonntag 20:15 Uhr Ö1

Ö1 Kunstsonntag: Tonspuren

Ö1 Themenwoche "Kindheit" "Ich träume die Geschichte weiter" Wenn Kinder Bücher schreiben Feature von Eva Roither "Geschichten sollten in der Mitvergangenheit geschrieben werden, sie in der Gegenwart zu schreiben, ist unlogisch!" Das bekundet der derzeit jüngste Autor Österreichs, Joel Meyer. Bereits im Alter von 8 Jahren hat er zwei Bücher geschrieben, die später publiziert wurden. Jetzt, mit 9 Jahren, benutzt er die Sommerferien, um an Band drei seines auf nichts Geringeres als eine Trilogie angelegten Oeuvres zu arbeiten. Titel: Auf der Suche nach den verschwundenen Hühnchen. Dafür hat er bunte Haftnotizen auf seine Kinderzimmertür geklebt, die den Verlauf der Story skizzieren. Ob er nach Vollendung seiner Trilogie weiterhin Autor sein möchte, ist für ihn nicht klar. Er kann sich durchaus vorstellen, als Forscher die Welt zu bereisen. Hannah-Lynn Grob hingegen, die aus einer Schweizer Schriftstellerfamilie stammt, weiß jetzt schon: "Ich möchte so richtig dicke Bücher schreiben". Sie hat im Alter von 9 Jahren ihr erstes Kinderbuch geschrieben und gezeichnet. Über den Sternen ist im CoLibri Verlag erschienen. Dass anfängliches Spiel zu Arbeit wird und Durchhaltevermögen gefragt ist, wenn die Geschichte zu Ende erzählen werden soll - das erleben alle Kinder. Aber sie haben auch ihre ganz eigenen Methoden, das Spielerische in die Arbeit zurückzuholen: "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann warte ich und manchmal träume ich die Geschichte weiter", erzählt Leandra Gloor. Sie lebt ebenfalls in der Schweiz. Sie und ihre Schwester Selina Gloor haben im Alter von 10 und 11 Jahren ihr erstes Werk veröffentlicht. Was alle vier Kinder verbindet: Die jungen Autor/innen haben ausgesprochen viel gelesen und sie haben Eltern, die sie beim Veröffentlichen ihrer Werke unterstützen. Ihre Geschichten handeln von einer abenteuerlichen Suche, die in phantastische Welten führt, von geheimnisvollen Hinweisgebern und wunderlichen Wesen, die es zu überlisten oder zu besänftigen gilt. Joel Meyer hat eine Reise in die Stratosphäre erfunden, seine Protagonisten können auf Wolken gehen und Papierkraniche mit ihren Gedanken steuern. Fragt man ihn, welches seiner zauberhaften Abenteuer er selbst gerne erleben würde, so antwortet er ohne zu zögern ganz schlicht: "Mit der Katze kuscheln!"

Sonntag 21:00 Uhr Ö1

Ö1 Kunstsonntag: Milestones

"The Empty Foxhole": Das umstrittene Debüt des Schlagzeugers Denardo Coleman 1966 präsentierte Ornette Coleman, bereits als Mitbegründer des Free Jazz bekannt, ein selbst für seine Begriffe - wie auch für das Label Blue Note - ungewöhnliches Album. Den Drum-Part übernahm sein Sohn Ornette Denardo Coleman, zum Zeitpunkt der Aufnahme zehn Jahre alt. Mit sechs Jahren hatte er sich ein Schlagzeug gewünscht; vier Jahre später saß er als bis dahin wohl jüngster Künstler im berühmten Aufnahmestudio von Rudy van Gelder unweit von New York. Vater Ornette Coleman spielte mit dem Junior, der später sein ständiger Begleiter werden sollte, und mit seinem altbekannten Kollegen am Kontrabass, Charlie Haden, ausschließlich Eigenkompositionen - sowohl auf seinem Hauptinstrument, dem Altsaxofon, wie auch auf Geige und Trompete, beide autodidaktisch erlernt. Wer Coleman schon davor skeptisch gegenüberstand (oder in ihm gar, wie manche, einen Hochstapler sah), konnte sich durch dieses Album bestätigt fühlen. Herkömmliche Klangvorstellungen wurden hier (nicht einmal) ignoriert, einige der Stücke klangen geradezu provokant unakademisch und ungehobelt. Entsprechend geteilt wurde das Album aufgenommen. Es wird von seinen Verteidigern aber auch zu Colemans spannendsten Versuchen gezählt - und das Spiel des zehnjährigen Drummers explizit gelobt: Es wirke, nach nur wenigen Jahren Unterricht, nie planlos, und sein phantasievoller Ideenfluss nach Art eines Bewusstseinsstroms halte überraschend gut mit den beiden erwachsenen Musikerkollegen mit. Gestaltung; Johann Kneihs

Sonntag 22:03 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Literatur

Ein Teufelszeug, diese Prosa! Gustave Flauberts Ringen um den wahren Roman Von Uta Rüenauver Die Suche nach dem einzig richtigen Wort, trieb Gustave Flaubert oft zur Verzweiflung. Er wollte Prosa wie Lyrik schreiben. Manchmal suchte Gustave Flaubert (1821-1880) Stunden nach dem "mot juste", dem einzig richtigen Wort. Unveränderlich wie Lyrik sollten seine Sätze sein. Wie ein Berserker rang der Franzose um eine Prosa, die objektiv, unpersönlich, realistisch ist. Einen gefährlichen, alle Kräfte fordernden Kampf führte der "Eremit von Croisset" in seiner Schreibklause in der normannischen Provinz, und lange schien der Ausgang ungewiss. Am Ende aber war "Madame Bovary" vollendet, der Roman über die Ehebrecherin aus unheilbarem Idealismus - ein Meilenstein auf dem Weg zum modernen Roman, ohne den die Werke von Alfred Döblin, Virginia Woolf oder James Joyce nicht denkbar wäre. Uta Rüenauvers fiktive Dokumentation zeigt das Ringen des Schriftstellers, sein Wüten und Schreien, auch das Vertrauen wie das Unverständnis seiner Umgebung: der Mutter, der Geliebten und der beiden engsten Freunde.

Sonntag 23:04 Uhr WDR5

Dok 5 - Das Feature

das ARD radiofeature: Ägypten unter Al Sisi Über die zerschlagene Revolution Von Martin Durm Zehn Jahre nach dem Arabischen Frühling sind Hoffnungen und Träume der Menschen nach Demokratie zerstört. Stattdessen herrscht in Ägypten eine Militärdiktatur. Internationale Beobachter gehen von mehr als 60.000 politischen Gefangenen aus. Kairo - von den Träumen der demonstrierenden Menschen auf dem Tahrir-Platzes ist nichts übrig geblieben. Viele von denen, die 2011 für ein freies, besseres Leben kämpften, haben resigniert, sind geflüchtet, sie sitzen in den Gefängniszellen des Militärregimes. Unter Machthaber Abdel Fatah al-Sisi werden nicht nur Moslembrüder gejagt, sondern auch liberale Politiker, Blogger, Journalisten, NGO-Mitarbeiter. Die Repression hat in den vergangenen drei Jahren derart brutale Ausmaße angenommen, dass etliche Regimekritiker inzwischen dem früheren Machthaber Hosni Mubarak nachtrauern. Der diktatorische Regierungsstil kommt derweil im Westen gut an. Weil Dschihadisten bekämpft und Migranten der Weg nach Europa verwehrt wird, wird das Regime hofiert. 2019 war Ägypten der wichtigste Empfänger deutscher Rüstungsexporte außerhalb der EU. Aufnahme des SWR 2020

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