Features

Mittwoch 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Der Exzess

Faszinosum und Bedrohung von Grenzüberschreitungen (3). Gestaltung: Thomas Mießgang In Lexika wird der Exzess als "Überschreitung von Grenzen beschrieben", als "Ausschweifung" und als "Maßlosigkeit". Der Exzess verläßt also die statistisch erhobenen gesellschaftlichen Mittelwerte, man könnte auch sagen: das Mittelmaß, um an den extremen Enden der Seinsbedingungen radikale existentielle Möglichkeiten in ihrer Tiefe und Grenzwertigkeit auszuloten. Der Exzess ist ein ständiges Faszinosum, aber auch eine Bedrohung. Viele fürchten und meiden ihn und richten sich in den ´safe houses` umfassend kontrollierter und abgesicherter gesellschaftlicher Umgebungen ein. Andere wiederum werfen sich ihm auf eine Weise in die Arme, dass sie daran zuschanden gehen. Die Liste von Popstars, Schriftstellern, Künstlern, die ihr Leben dem Exzess geopfert haben, ist lang und wird immer noch fortgeschrieben: Jimi Hendrix, Janis Joplin, River Phoenix, Malcolm Lowry, Charlie Parker, Amy Winehouse und so weiter. Charles Baudelaire hat für den exzessiven Gebrauch toxischer Substanzen den Begriff "künstliche Paradiese" geprägt und sie als "Mittel, die Individualität zu steigern" angepriesen. Doch der Exzess ist nicht nur an Künstlermilieus gekoppelt, sondern wird auch in ganz anderen gesellschaftlichen Sektoren angesteuert: Die Rekordsucht im kommerziell ausgerichteten Leistungssport hat dazu geführt, dass Dopingexzesse mittlerweile fast schon achselzuckend als selbstverständliches Begleitrauschen zur Kenntnis genommen werden, die Exzesse eines mehrheitlich deregulierten Finanzkapitalismus haben die globale Ökonomie in Schräglage gebracht. Und wenn der Begriff ein wenig weiter gefasst wird, enthält er auch die Revolution/ den Krieg als Exzess des Politischen, sowie das vor allem seit dem Mittelalter zelebrierte Phänomen des Faschings, bei dem sich eine gesellschaftliche "Umwertung der Werte" vollzieht, und der ´Karnevalismus`, wie er vom russischen Philosophen Michail Bachtin definiert wurde, Autoritäten und Herrschaftspraktiken herausfordert. Der französische Theoretiker Gilles Lipovetsky wiederum spricht im Hinblick auf eine durch Formenexzesse - Hypermarkt, Hypertext, hunderte von Fernsehkanälen, Milliarden von Websites - gekennzeichnete mediale Gegenwart von "Hypermoderne", die häufig den Charakter einer Zivilisationskrise annehme und zu einer extremen Fragilität des Individuums führen könne. Der Exzess ist also, sowohl in seiner historischen und kulturgeschichtlichen Tradition, wie auch in seiner durch Mediatoren wie Club-Dj`s oder InfluencerInnen vermittelten digitalen Gegenwart ein ständiges Ferment gesellschaftspolitischer Entwicklungsprozesse und hat einen janusköpfigen Charakter: In gewisser Weise benötigt das Individuum den Exzess, um seine eigenen Möglichkeiten und Grenzen auszutesten; erst die Grenzüberschreitung vermittelt die Kenntnis vom eigenen Maß und von den Bedingungen und Grenzen des Existenz. In diesem Sinne darf man sich - cum grano salis - auch heute noch an einer Parole von Charles Baudelaire orientieren: "Berauscht euch!

Mittwoch 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Anthroposophie Das Ringen um Ganzheitlichkeit Helena Blavatsky Spiritistin, Okkultistin und Theosophin Das Kalenderblatt 19.2.1919 Der Lotter-Putsch scheitert in München Von Julia Devlin Anthroposophie - Das Ringen um Ganzheitlichkeit Autorin: Daniela Remus / Regie: Irene Schuck Leib, Seele und Geist sind die zentralen Begriffe, mit denen Rudolf Steiner, der Begründer der modernen Anthroposophie vor rund einhundert Jahren das Wesen der Menschen beschrieben hat. Allerdings legt er Wert darauf, dass seine Begrifflichkeit nichts mit dem traditionellen Verständnis der Philosophie zu tun hat. Denn Rationalität spielt in Steiners esoterischer Weltanschauung eher eine untergeordnete Rolle. Das esoterische Menschenbild mit Entwicklungsmöglichkeiten in übersinnliche Sphären soll die Grundlage sein, für eine wahre Welterkenntnis. Anleihen an die Mystik, den christlichen Wiederauferstehungsglauben und fernöstliche Heilslehren mischt Rudolf Steiner mit seinem Wissen über Goethe und den deutschen Idealismus und formt daraus seine eigene spirituelle Weltanschauung. Einer der Grundgedanken dabei, Mensch und Natur in ganzheitlichem Zusammenhang zu denken, ist in der anthroposophischen Medizin, in der Öko-Landwirtschaft oder in der Pädagogik der Waldorf-Schulen bis heute präsent. Helena Blavatsky - Spiritistin, Okkultistin und Theosophin Autor und Regie: Frank Halbach Helena Petrowna Blavatsky, die "Sphinx des 19. Jahrhunderts", wird bis heute von Legenden umrankt: Angeprangert von den einen als Scharlatanin und Betrügerin. Verehrt von den anderen als die Begründerin der Theosophie, einer Lehre, die mystisch-religiöse und spekulativ-naturphilosophische Denkansätze kombiniert und die Welt insgesamt als göttliche Entwicklung versteht. "Die Theosophische Gesellschaft? Das bin ich!", meinte Blavatsky selbstbewusst über ihre universale Religionsphilosophie. Sie war eine der ersten Frauen, die als Begründerin einer neuen spirituellen Bewegung ans Licht der Öffentlichkeit trat. Blavatskys Konzept ist eine Reaktion auf den Positivismus und Materialismus ihrer Zeit, Ausdruck einer Sehnsucht, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert europaweit verstärktes Interesse an religiösen Ideen und Esoterik weckte. Sie wollte nicht weniger als einen Weg in die Zukunft der Menschheit beginnen, in der Unterschiede von Geschlecht, Hautfarbe, Glaube und Herkunft bedeutungslos sein sollten. Dem Idealbild, das sie und ihre Anhänger von ihr zeichneten, steht offene Feindseligkeit für die sogenannte "Seelenfängerin" gegenüber. Sie selbst meinte dazu: "Sollen mich doch diese als Medium und Spiritistin und jene als Betrügerin bezeichnen. Der Tag wird kommen, an dem die Nachwelt all dies besser wissen wird." Moderation: Gabi Gerlach Redaktion: Bernhard Kastner

Mittwoch 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Politik in Zahlen

Die Macht der Statistik (3). Gestaltung: Ilse Huber Zahlen, Daten, Fakten. Seit jeher bilden sie die Basis für Entscheidungen. Doch besonders in Zeiten, wo vieles angezweifelt, hinterfragt und kritisiert wird - Stichwort alternative Fakten - rückt die Herkunft der Daten immer mehr in den Mittelpunkt. Entscheidungsträger/innen, Behörden und Gesundheitswächter berufen sich bei ihren Aktivitäten auf solides Zahlenmaterial. Ob es sich um die Anzahl der Einwohner, die Rate der Arbeitslosigkeit, den Bildungsgrad der Gesellschaft oder um die Luftgütewerte, den CO2 Ausstoß oder die Unfallstatistik handelt- beinahe alles wird erhoben. Aus welchen Quellen kommen die Daten? Stammen sie aus Umfragen- bei welcher Genauigkeit? Liegt die Luftgüte-Messstelle neben einem Verschmutzungs-Verursacher oder weitab davon? Abhängig vom Auftraggeber kann ein und dieselbe Studie unterschiedlich interpretiert werden. Mögen die Zahlen auch dieselben sein, ihre Bewertung unterliegt dem jeweiligen Betrachtungswinkel. Fehlen beim Treibhausgasausstoß womöglich wesentliche Verursacher wie etwa der Flugverkehr? Hat man die Arbeitslosenrate nur auf eine bestimmte Altersgruppe beschränkt? Werden bei der Anzahl der Krankheitsfälle nur ganz spezifische Parameter herangezogen? Die Menge der gesammelten Daten steigt, weil sie als Fundament für Entscheidungen dienen. Zahlen sprechen für sich- es kommt allerdings darauf an, wer sie für welchen Zweck benutzt. Zahlen machen Politik - und mit ihr wächst die Bedeutung der Statistik. Macht Statistik Politik oder ist es umgekehrt? Eine kritische Annäherung von Ilse Huber.

Mittwoch 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Diva mit vier Saiten

Eine Geschichte der Violine (3). Gestaltung: Nikolaus Scholz General Dupont, La Pucelle oder King George, so die Namen der drei wertvollsten Violinen der Welt. Nicht selten erreichen Instrumente aus der Werkstatt der Cremoner Geigenbauerfamilien Guaneri und Stradivari bei Auktionen einen Zuschlag in Millionenhöhe. Doch die italienischen Geigenbauer von einst haben das Geheimnis ihres Klangs mit ins Grab genommen. Ein Eldorado tut sich auf - nicht nur für Wissenschafter und Geigenbauer, die heute am perfekten Klang tüfteln, sondern auch für Spekulanten und Händler. Dennoch werden heute Geigen gefertigt, die dem Klang ihrer Vorfahren um nichts nachstehen. Wolfgang Thiele ist einer von 30 Geigenbauern in der bayrischen Metropole München, Julia Maria Pasch aus Wien baut Violinen in einem Raum, wo einst Richard Wagner und Johannes Brahms gemeinsam musizierten, und der Schweizer Forscher Armin Zemp experimentiert mit einem Holzpilz, um eine moderne Geige zu bauen, die sogar den Klang einer Stradivari übertreffen soll. Die wenigen, erhalten gebliebenen Guaneris und Stradivaris befinden sich heute entweder im Besitz privater Sammler oder potenter Institutionen, wie etwa der Österreichischen Nationalbank, die die wertvollen Instrumente an herausragende Musikerpersönlichkeiten verleiht.

Mittwoch 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Midlife Crisis Mehr als ein Mythos? Wandel in der Lebensmitte Die Wechseljahre Das Kalenderblatt 19.2.1919 Der Lotter-Putsch scheitert in München Von Julia Devlin Midlife Crisis - Mehr als ein Mythos? Autorin: Hanna Dragon / Regie: Christiane Klenz Die Haut verliert ihre Spannkraft. Das Haar ergraut. Und die Gelenke machen sich bemerkbar: Mitten im Leben wird man sich seiner Vergänglichkeit bewusst und hinterfragt die eigene Biographie: Habe ich bisher richtig gelebt? Kommt da noch was? Midlife-Crisis lautet die Bezeichnung für jene Lebensphase, die von Verunsicherung und Selbstzweifeln geprägt ist. Anfangs wurde sie vor allem auf Männer bezogen. Da ist das Klischee des Mitvierzigers, der sich ein Motorrad und eine junge Freundin zulegt. Bei Frauen schob man die Unzufriedenheit in der Lebensmitte auf die Menopause. Die Frauenbewegung in den 70ern gab dem Begriff eine neue, politische Dimension. Er stand für die Sinneskrise der Frauen, die - um ihre beruflichen Entwicklungschancen gebracht - die klassische Rollenverteilung nicht mehr hinnehmen wollten. Gibt es die Midlife-Crisis wirklich? Oder ist sie ein gesellschaftliches Erklärungskonstrukt? Eine Sendung über den Wandel in der Lebensmitte mit Reflexionen über die Frage: Wie wird aus einer Umbruchphase eine Chance? Wandel in der Lebensmitte - Die Wechseljahre Autorin. Christina Teuthorn-Mohr Hitzewallungen, Schlafstörungen, unregelmäßige Menstruation - das sind meist die ersten körperlichen Anzeichen für den Beginn der Wechseljahre bei Frauen. Wenn die fruchtbare Phase endet, stellt sich der komplette Hormonhaushalt um. Frauen werden durch ihren Körper unmittelbar mit dem Älterwerden konfrontiert - stärker als Männer. Die spüren vor allem, dass ihre Leistungsfähigkeit abnimmt und sie mehr Ruhe brauchen. Für beide Geschlechter sind die Wechseljahre eine Zeit des Wandels und der Veränderung - nicht nur auf körperlicher, sondern vor allem auch auf seelischer und geistiger Ebene. "Was will ich wirklich vom Leben?" ist eine Frage. Ebenso gilt es, der Angst vor dem Älterwerden ins Auge zu sehen. Das ist besonders schwierig in einer Gesellschaft, in der Jugendlichkeit, Schönheit, Fitness und Top-Leistung vorherrschende Ideale sind und in der nur wenige "weise Alte" als Vorbilder dienen. In anderen Kulturen fällt Menschen der Übertritt in die nächste Lebensphase leichter - etwa in Japan, wo der älteren Generation viel Respekt entgegen gebracht wird. Hier lässt sich beobachten: Wechseljahre müssen keine Leidensjahre sein. Moderation: Florian Kummert Redaktion: Susanne Poelchau

Mittwoch 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

"Dem einen die Perle, dem anderen die Truhe" Vom Scheitern der Mileva Einstein in der Physik und in der Liebe Von Grit Kienzlen Albert Einstein ist das gefeierte Wissenschaftsgenie. Wer aber kennt Mileva Maric, seine erste Ehefrau, mit der er seine Karriere startete? Eine etwas andere Einstein-Geschichte. "Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist." Nur unter dieser und weiteren Bedingungen, schreibt Albert Einstein 1914, sei er bereit, die Ehe mit Mileva fortzusetzen. Es ist das Ende einer Beziehung, die sehr modern gestartet war: Sie hatten gemeinsam Physik studiert, tage- und nächtelang miteinander gerechnet und diskutiert, auch über Relativität, und unter enormen Widerständen geheiratet. Als sich der wissenschaftliche Ruhm endlich einstellt, bleiben ihr die Kinder und die Einsamkeit. "Dem einen die Perle, dem anderen die Truhe" konstatiert sie resigniert. Und doch wird auch sie den Nobelpreis bekommen.

Mittwoch 22:03 Uhr SWR2

SWR2 Feature

Hilfe für Biafra? Humanitäre Einsätze und ihre Folgen Von Martina Backes Es war der erste humanitäre Einsatz in einem Krieg im postkolonialen Afrika. Nigeria versuchte, die Abspaltung Biafras auch mit einer Blockade zu verhindern, die zu massiven Hungerproblemen führte. Erst als Medienagenturen gemeinsam mit Hilfswerken über den Konflikt berichteten, horchte die Welt auf. Dank einer Flut von Bildern ausgemergelter Kinderkörper flossen Spenden für eine zivile Luftbrücke, um die Hungernden zu versorgen. Doch wurden damit Krieg und Leid in Wahrheit verlängert? Wie beeinflusst humanitäre Hilfe den Verlauf von Konflikten? Welche Lehren wurden aus dem Einsatz gezogen?

Mittwoch 22:04 Uhr rbb Kultur

FEATURE

Im Stich gelassen Wenn die Justiz überlastet ist Von Eleni Klotsikas Regie: Katrin Hutzler Produktion: SWR 2018

Mittwoch 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

"Der Exzess". Faszinosum und Bedrohung von Grenzüberschreitungen (3). Gestaltung: Thomas Mießgang Politik in Zahlen. Die Macht der Statistik (3). Gestaltung: Ilse Huber Diva mit vier Saiten. Eine Geschichte der Violine (3). Gestaltung: Nikolaus Scholz

Mittwoch 22:30 Uhr HR2

Jazzfacts

What"s going on? - Features, Interviews und was die Szene (um-)treibt | Max Andrzejewski"s Hommage an Robert Wyatt bei "just music "20" Hüttenzauber in Wiesbaden - Max Andrzejewski"s Hütte bringt den Geist des musikalischen Sonderlings Robert Wyatt auf die Rampe bei "just music "20"

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