Features

Mittwoch 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Michel de Montaigne Skeptiker und Menschenfreund Ich und Ich? Die Freundschaft zu mir selbst Das Kalenderblatt 8.4.1997 Das Ende des Wildwest-Romans Von Christiane Neukirch Michel de Montaigne - Skeptiker und Menschenfreund Autor: Christian Schuler / Regie: Irene Schuck Mit Mitte 40 litt Michel de Montaigne an schmerzhaften Nierenkoliken. Er brach zu einer ausgedehnten Bäderreise auf, die ihn über Basel, Konstanz und Augsburg zunächst nach München und dann über Tirol und den Brenner bis zum Papst nach Rom führte. Seine Art zu reisen, beschrieb er so: "Wenn es rechts nicht schön ist, geht es nach links ... Habe ich vergessen, etwas anzuschauen? Ich kehre um; so finde ich immer meinen Weg. Ich plane keine Linie im Voraus, weder die gerade noch die krumme." Und ähnlich improvisierend scheint er auch gedacht und geschrieben zu haben. Und gerade dadurch wurde er zum Schöpfer einer neuen literarischen Gattung, des Essays (frz. essayer, versuchen). Wer Versuche schreibt, tastet eher nach der Wahrheit, als dass er sie vor Überzeugung strotzend verkünden würde. Montaigne, den seine Eltern im humanistischen Geist des Erasmus von Rotterdam erziehen ließen, bekannte sich zwar inmitten der konfessionellen Wirren des 16. Jahrhunderts zum katholischen Glauben, freilich ohne ein Eiferer zu werden. Stets bewahrte er sich Neugier, Skepsis und spielerische Offenheit, und immer wieder setzte er sich für einen Ausgleich zwischen den Konfessionen ein, als Schriftsteller und Philosoph ebenso wie als Bürgermeister von Bordeaux. Ich und Ich? - Die Freundschaft zu mir selbst Autor: Frank Schüre / Regie: Martin Trauner "Freundschaft" gab"s mal zum Nulltarif. Viele Jahrhunderte war Freundschaft einfach da. Da ist man reingeboren worden. Viele leben heute noch so. Aber diese Zeiten sind vorbei. Freundschaft gibt es nur noch, wenn sie gesucht, gegründet, und gepflegt wird. Und zwar unter verschärften Umständen. Auch das "Selbst" versteht sich nicht mehr von selbst. Jahrhundertelang hat es sich nicht aus sich selbst heraus definieren müssen. Es wurde definiert - da gab es kein Entweichen. "Selbstfreundschaft" heißt das Buch des Philosophen Wilhelm Schmid. Es beschreibt die Beziehung zu sich selbst als Grund von Freundschaft: der erste und beste Freund ist man selbst. Das ist ein gute und eine schwierige Erkenntnis. Denn es gilt sich abzusetzen von Selbstliebe, in der man sich gerne verliert. Moderation: Gabi Gerlach Redaktion: Bernhard Kastner

Mittwoch 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Wer ist Opfer?

Macht und Ohnmacht eines Rollenbildes (3). Gestaltung: Johannes Gelich In Zeiten von Populismus, Klimakrise, Geschlechter- und Generationenkampf geistert ein Begriff durch die einschlägigen gesellschaftspolitischen Debatten: das Opfer. In den letzten Jahren ist, so scheint es, ein regelrechter Opfermarkt entstanden: das Volk ist Opfer einer von außen gesteuerten Migrationspolitik, sagen rechte Populisten. Der Arbeitnehmer von heute ist Opfer der Profit-Interessen von Kapital, Konzernen und politischen Eliten auf dem Schlachtfeld des Neoliberalismus, sagen linke Populisten. Frauen sind Opfer von sexistischen Übergriffen in Beruf und Medien, sagen Frauenrechtlerinnen. Männer sind Opfer von blindwütigen Feministinnen, sagen Männerverbände. Dritte-Welt-Länder sind Opfer neokolonialistischer Politik des reichen Westens, sagen Globalisierungskritiker. Wachstumsideologie, Umweltzerstörung und die Ausbeutung von Ressourcen geschehen auf dem Rücken der Kinder, sagen Ökologen. Eltern werden von ihren Kindern in Altersheime abgeschoben und vernachlässigt, sagen Pensionisten-Verbände. Das Opfer, so viel steht fest, ist der wahre Held unserer Zeit. Opfer zu sein, verspricht höchste Anerkennung, erzeugt machtvolle Ansprüche und ist über jede Kritik erhaben. Doch warum und seit wann hat der Opfer-Status einen derartigen Stellenwert in der westlichen Kultur und ihren gesellschaftlichen Debatten gewonnen? Die Darbringung von Opfern gegenüber Göttern ist ein wesentlicher Bestandteil der meisten Religionen der Welt. Doch im Christentum hat sich Gott durch seine Menschwerdung bis zu seinem Tod am Kreuz selbst geopfert. Hier zeigt sich religionsgeschichtlich insofern eine Wende, als sich Jesus für die Sünden der Menschen selbst opfert und damit weitere Opfer überflüssig macht. Die Anbetung des Opfers hat im Medienzeitalter jedoch eine neue, quasi-religiöse Dimension erfahren: Das Fernsehen und eine adäquate Medien-Inszenierung leben geradezu von der Dauerpräsenz des Opfers. Von der Allgegenwärtigkeit des Opfers von Verbrechen in Kriminalfilmen bis hin zur Akkumulation von politischem Kapital durch Fernsehbilder wie 9/11: in den Medien ist längst eine Konkurrenz um die Präsenz der Opfer-Identitäten entstanden. Und auch die österreichische Identität war noch lange nach dem 2. Weltkrieg von dem Mythos geprägt, das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen zu sein. Doch was sind die Auswege aus diesem schädlichen, medial transportierten Opfer-Täter-Schema? Gefragt sind die Stärkung demokratischer Kräfte und die Verantwortung jedes Einzelnen, Fakten zu studieren, Lösungsansätze zu diskutieren und sich in demokratische Entscheidungsprozesse einzubringen. Nur so lässt sich dieser Regress ins Primitive unterbinden.

Mittwoch 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Ernst Jünger - Chronist von Krieg, Drogen und Technisierung

Sein Werk als Spiegel des 20. Jahrhunderts (3). Gestaltung: Richard Brem Die Lebensgeschichte des deutschen Schriftstellers Ernst Jünger liest sich, als wäre sie von einem Romanautor erdacht worden. Einer literarischen Figur ähnlich, tauchte er stets an den Brennpunkten des 20. Jahrhunderts auf: 1914 zog er als Freiwilliger begeistert in den Krieg, kämpfte in den großen Materialschlachten an der Westfront, wurde mehrfach verwundet und kurz vor Kriegsende mit dem höchsten preußischen Tapferkeitsorden, dem "Pour le Mérite", ausgezeichnet. Nachdem er den Krieg als eine Art Rausch durchlebt und in Büchern auch als solchen beschrieben hatte, begann Jünger sich in den 1920er Jahren an Technik und Nation zu berauschen. Er wurde zum Wortführer eines elitären Nationalismus und entwarf 1932 mit "Der Arbeiter" seine eigene Vision einer Techno-Diktatur, die Elemente aus italienischem Faschismus und sowjetischem Bolschewismus miteinander verschmolz. Zum Nationalsozialismus hielt Jünger Abstand und veröffentlichte mit "Auf den Marmorklippen" 1939 einen Roman, der von Heinrich Böll, den Geschwistern Scholl und vielen anderen als Widerstandsparabel verstanden wurde. Auch verbrachte er den Großteil des 2. Weltkriegs im Stab des deutschen Militärbefehlshabers in Paris, wo er in engem Kontakt zu den Verschwörern des 20. Juli stand, aber auch Künstlern wie Picasso, Braque und Cocteau begegnete. In den 1950er Jahren war Jünger einer der ersten, die mit LSD experimentierten - in gemeinsamen Drogen-Séancen mit dem LSD-Entdecker Albert Hofmann. Die nachfolgenden Jahrzehnte verbrachte er mit zahlreichen Reisen rund um den Erdball und als scharfsichtiger Chronist einer sich rasant globalisierenden und technologisierenden Welt. Als Ernst Jünger 1998 im Alter von 102 Jahren starb, hinterließ er ein über 20-bändiges Gesamtwerk aus Essays, Romanen, Kriegsbüchern, Reisenotizen und Tagebüchern, in denen sich das 20. Jahrhundert mit allen seinen Umwälzungen und Verheerungen widerspiegelt. Das "Radiokolleg" zeichnet ein Porträt dieses vielschichtigen, widersprüchlichen und nach wie vor umstrittenen Autors.

Mittwoch 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Der Countertenor

Die jungen Stars der Alten Musik (3). Gestaltung: Verena Gruber Andreas Scholl, Valer Sabadus, Max Cencic - drei klingende Namen, drei weltberühmte Countertenöre. Sie sind - neben einigen anderen - die Stars der Alten Musik. Egal ob sie halsbrecherische Koloraturen oder intime Arien singen, ihre Stimmen klingen glockenklar und scheint nicht von dieser Welt. Jahrzehntelang begann das Publikum zu kichern, sobald männliche Sänger in der Kopfstimme den Mund aufmachten. Heute lacht niemand mehr. Die Countertenöre haben das Erbe der Kastraten angetreten und haben viele Fans, weit über ein Fachpublikum hinaus. Die Geschichte des Countertenors geht zurück in die Urzeit der Menschheit. Die männliche hohe Stimme erklang wohl zum ersten Mal im Warnschrei des jagenden Steinzeitmenschen. Der Countertenor als Begriff tauchte hingegen das erste Mal in der Mehrstimmigkeit der europäischen Kirchenmusik auf, dort bezeichnete man den contertenor als die Gegenstimme zum Tenor. Da Frauen in Kirchenchören nicht singen durften, wurden für die Sopran -und Altlagen Falsettisten eingesetzt, also Männer, die in der Kopfstimme singen, heute nennt man sie Countertenöre. So entstand eine Gesangstradition, die vor allem in England in den traditionsreichen Kathedralschören zu einer Blüte gelangte. Auf dem Kontinent sangen im ausgehenden 16. Jahrhundert die Kastraten in der Sixtinischen Kapelle die ersten Solopartien. Viele Komponisten des Barock schrieben für die hohe männliche Stimme Opernrollen. Im 19. Jahrhundert, als der Tenor seinen Siegeszug in der romantischen Musik antrat, kam die Tradition der Countertenöre und Kastraten aus der Mode. Im 20. Jahrhundert trat Alfred Deller aus dem Schatten der englischen Chortradition und machte den solistischen Männeralt wieder salonfähig. Die Zahl der Countertenöre nahm stetig zu. Heute trifft man Countertenöre in unzähligen Barockopern, aber längst nicht mehr nur an den angestammten Plätzen der Alten Musik. Gerade zeitgenössische Komponisten haben entdeckt, dass sich mit dem Countertenor ein neues Stimmfach für die Bühne erschließen lässt. In der Radiokollegreihe "Der Countertenor" hat Verena Gruber einige der berühmten Falsettisten getroffen. Sie sprechen über die Faszination der hohen Stimme, über die schönsten Countertenor-Partien, über Akzeptanz und Ablehnung dieser Stimmlage, über neue Männerbilder und Klischees. Die vierteilige Reihe beinhaltet einen musikhistorischen Abriss, ein Porträt über den deutschen Countertenor Andreas Scholl, eine Reportage mit Jugendlichen an einem Tiroler Gymnasium, die sich auf die historischen Spuren der Kastraten und Falsettisten begeben. Im vierten Teil erzählen Nachwuchssänger und ihre Lehrer am Antonio Salieri Gesangsinstitut in Wien, wie sie sich dem Countertenor als Stimmfach nähern und sich auf die großen Rollen des Barockrepertoires vorbereiten. Exkurse über den Einsatz der Kopfstimme in der Popmusik und der zeitgenössischen Musik runden die Musikviertelstunde ab.

Mittwoch 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Schwärmer, Fans und Enthusiasten Leidenschaftliche Mitmenschen Das Öffentliche Philosophische Betrachtungen Das Kalenderblatt 8.4.1997 Das Ende des Wildwest-Romans Von Christiane Neukirch Schwärmer, Fans und Enthusiasten - leidenschaftliche Mitmenschen Autorin: Anja Mösing / Regie: Rainer Schaller Nüchtern denkende Menschen stehen hoch im Kurs. Sie verkörpern das Idealbild der Neuzeit - vorausgesetzt sie besitzen auch den Mut, um ihren Verstand auch zu gebrauchen. Forschung, Wissenschaft und Technik, kurz: Fortschritt selbst scheint ohne rationale Charaktere nicht vorstellbar. Schwärmer, Fans und Enthusiasten dagegen werden gern belächelt: viel zu naiv, zu hingebungsvoll und zu leidenschaftlich wirken sie, als dass man von ihnen auch nur einen klaren Gedanken erwarten könnte. Dabei wurde Enthusiasmus schon vom antiken Philosophen Platon hoch geschätzt. Im griechischen Begriff "Enthusiasmus" klingt die Bedeutung göttlicher Nähe und Inspiration mit. Ein Zustand, ohne den keine schöpferische Arbeit möglich ist. Auch die Schöpfung selbst und alles Göttliche wurde in vielen Religionen immer gern durch hymnische Lobpreisungen gewürdigt. Welchen Bedeutungswandel hat die Bewertung leidenschaftlicher Menschen im Laufe der Jahrhunderte also mitgemacht und warum? Das Öffentliche - philosophische Betrachtungen Autorin: Beate Meierfrankenfeld / Regie: Christiane Klenz Die Öffentlichkeit ist der Ort von Ruhm und Ehre, aber auch von Scham und Schande. Sie kann den Einzelnen bloßstellen oder kann ihn schützen, indem sie Unrecht publik macht. Weil der Mensch ein denkendes und sprachliches Wesen ist und Denken und Sprache das Subjektive überschreiten, gehört das Öffentliche ganz grundsätzlich zum Menschsein dazu. Konkret zeigt sich das in sehr verschiedenen Sphären: Die Kultur richtet sich an ein Publikum, die Wissenschaft ist auf den Austausch unter Fachleuten angewiesen, Religionen binden ihre Gemeinschaften durch kollektive Rituale zusammen. Und die Politik ist das Feld der öffentlichen Belange schlechthin. In der Demokratie wird die offene Debatte der Bürger darüber hinaus zum Regierungsinstrument. Ohne das aufklärerische Ideal einer informierten und diskussionsfreudigen Öffentlichkeit ist ein demokratischer Staat nicht denkbar. Es sind nicht nur Diktatoren, die diese Voraussetzung gefährden - es kann auch der Strukturwandel der Öffentlichkeit und ihrer Medien selbst sein. Moderation: Florian Kummert Redaktion: Bernhard Kastner

Mittwoch 19:15 Uhr Deutschlandfunk

Der Kultur-Abend

Feature, Hörspiel, Musik

Mittwoch 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Stadtluft und Landlust Die Gartenstadtbewegung Von Ralf Bei der Kellen

Mittwoch 22:03 Uhr SWR2

SWR2 Feature

Operation Finanzwende Bürgerbewegung trotzt Banken und Politik Von Caspar Dohmen Trotz vieler neuer Gesetze seien die Grundprobleme des Finanzsystems ungelöst, findet Gerhard Schick. Um das zu ändern, stieg der Grünen-Politiker aus dem Bundestag aus und stellte sich an die Spitze der Bürgerbewegung Finanzwende. Mit Aufklärung der Bürger, Aufdeckung von Missständen und Klagen gegen Akteure will die Organisation das Finanzsystem umgestalten. Schick kämpft heute als Aktivist für sichere Spareinlagen, eine Finanztransaktionssteuer oder gegen die Facebook-Währung Libra. Gelingt dem Aktivist, woran der Oppositionspolitiker scheiterte?

Mittwoch 22:04 Uhr rbb Kultur

FEATURE

Die Vollbluttänzerin - Sighilt Pahl Von Nathalie Nad-Abonji Regie: Gabriela Hermer und Nathalie Nad-Abonji Produktion: rbb 2020 - Ursendung -

Mittwoch 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

Wer ist Opfer? Macht und Ohnmacht eines Rollenbildes (3). Gestaltung: Johannes Gelich Ernst Jünger - Chronist von Krieg, Drogen und Technisierung. Sein Werk als Spiegel des 20. Jahrhunderts (3). Gestaltung: Richard Brem Der Countertenor. Die jungen Stars der Alten Musik (3). Gestaltung: Verena Gruber

Mittwoch 22:30 Uhr HR2

Jazzfacts

What"s going on? - Features, Interviews und was die Szene (um-)treibt | ... s(ch)wingt einfach immer weiter: Emil Mangelsdorff wird 95 "Swing ist mein Lebens-Elixier": Der Saxophonist Emil Mangelsdorff, unbeugsames Frankfurter Monument für Jazz und Widerstand, wird 95 Jahre alt ... und spielt weiter

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