Features

Donnerstag 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Der demokratische Rechtsstaat

Mehrheit und Minderheiten (4). Gestaltung: Margarethe Engelhardt-Krajanek "Österreich ist eine demokratische Republik. Die Macht geht vom Volke aus". Lautet Artikel 1 des Österreichischen Bundesverfassungsgesetzes. Die Verfassungsgesetze sollen garantieren, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, "ihre Meinung in gegenseitigem Respekt zu äußern und ihre Anliegen zu vertreten", so zu lesen auf der Homepage des Österreichischen Parlaments. Vertreten werden Bürgerinnen und Bürger durch politische Parteien, die entsprechend der gewählten Stimmenstärke im Parlament Gesetze aushandeln und beschließen. Können sich nun parlamentarische Mehrheiten über die Minderheiten hinweg setzten? Parlamentarische Kontrollmechanismen und die Gewaltentrennung sollen das verhindern. Mehrheiten können zwar den Ton angeben, müssen aber konsensuale Lösungen mit den anderen Parteien suchen. Dass Minderheitenrechte gewahrt werden, dafür sorgen die Gesetze. Diese Prozesse verlaufen nicht linear und sind komplex. Das zeigt sich am Beispiel des Frauenwahlrechtes. Vor 100 Jahren verfassungsmäßig verankert, ist die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau heute erst teilweise vollzogen. Noch immer verdienen Frauen durchschnittlich 20% weniger als Männer. Und während Frauen im Bildungssektor und im Sozialen politisch gut verankert sind, ist der Frauenanteil in den Vorständen großer Unternehmen marginal. Im BVG ist auch der Minderheitenschutz klar verankert. Menschen mit Behinderungen müssen die gleichen Chancen erhalten, wie die Mehrheit der Bevölkerung. Wird dieser Rechtsanspruch auch in die Praxis überführt? Und was ist mit der direkten Demokratie? Ist die Abstimmung zu Sachfragen die "Hohe Schule" demokratischer Praxis? Untersuchungen zeigen, dass Lobbyismus und mediale Kampagnen Meinungen schnell manipulieren können. Wer über viel Geld verfügt, kann so die eigenen Interessen durchsetzen. Nicht zuletzt werden demokratische Gesellschaften auch durch die Digitalisierung gefordert. Das Internet als politische Plattform wird nicht nur von Parteien genutzt. Extremistische Gruppierungen radikalisieren und vernetzen sich in der digitalen Welt. Ihr aggressives Auftreten täuscht darüber hinweg, dass es sich um Splittergruppen handelt. Und solange demokratische Gesellschaften nicht regulierend eingreifen, werden diese zu Stimmungsmachern und dominieren den Diskurs.

Donnerstag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Wetter und Wohlbefinden Was steckt hinter Wetterfühligkeit? Rätselhafte Strahlen Ohne Licht ist alles nichts Das Kalenderblatt 16.1.1952 Sascha Jacobsens Stradivari wird überschwemmt Von Xaver Frühbeis Wetter und Wohlbefinden - was steckt hinter Wetterfühligkeit? Autor: Tom Kempe / Regie: Sabine Kienhöfer Kopf- oder Gelenkschmerzen, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen: das sind typische Beschwerden, von denen Menschen berichten, die sich selbst als "wetterfühlig" bezeichnen. Nach Einschätzungen des Deutschen Wetterdienstes sind das immerhin zwischen 30 und 50 Prozent der Deutschen. Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme hängen jedenfalls manchmal mit dem Wetter zusammen. "Weil das Wetter mit seinen Luftdruckschwankungen auf den menschlichen Organismus einwirkt", meint der Medizinmeteorologe Andreas Matzarakis vom Deutschen Wetterdienst. Aber kann das Wetter tatsächlich schuld sein, wenn wir uns unwohl fühlen? Warum betrifft es nicht alle? Wie genau Temperatur, Lichtverhältnisse, Luftdruck und Winde auf unseren Organismus wirken, ist nicht wirklich geklärt. Rätselhafte Strahlen - ohne Licht ist alles nichts Autorin und Aufnahmeleitung: Prisca Straub Am ersten Tag seiner Schöpfung erschuf Gott das Licht - so steht es in der Genesis im Alten Testament. Und tatsächlich: ohne Licht ist alles nichts, denn Licht ist die Voraussetzung dafür, dass Leben entstehen kann. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch obwohl Licht ein inzwischen physikalisch aufwändig erforschtes Phänomen ist, ist es immer noch ein Rätsel. Manchmal verhält es sich wie eine Welle, manchmal wie ein Teilchenstrom. Aber es ist weder das eine noch das andere. Licht ist auch ein schillerndes Phänomen in der Wirkung auf uns Menschen. Es kann ebenso wärmend und friedlich wie kalt und brutal sein; es kann gesund, aber auch krank machen. Das wechselhafte Medium beeinflusst nicht nur Stimmungen und Gefühle, sondern nahezu den gesamten Stoffwechselprozess. Lichtintensität und Hormonausschüttung sind eng aneinander gekoppelt. Dass es dem Menschen gelang, Feuer und Licht zu entzünden und damit die Finsternis zu erhellen, gilt als wesentliche Errungenschaft der Zivilisation. Allerdings ist die Welt in den vergangenen gut 100 Jahren mit der zunehmenden Industrialisierung auch immer heller geworden. Inzwischen ist sogar die Rede von "Lichtverschmutzung", also davon, dass zu viel Licht für Mensch und Tier zum Stressfaktor werden kann. Moderation: Thies Marsen Redaktion: Nicole Ruchlak

Donnerstag 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Das ABC der Speisepflanzen

A wie Apfel, B wie Bohnen, C wie Chili, D wie Dinkel (4). Gestaltung: Nikolaus Scholz, Sabrina Adlbrecht, Ilse Huber *D wie Dinkel* Bereits vor etwa 8.000 Jahren soll Dinkel von den Ägyptern angebaut worden sein. Die ältesten Funde von Dinkel stammen aus Westarmenien und den Tälern des Ararat-Gebirges. In der Jungsteinzeit wurde Dinkel vor allem im Alpenraum in Mittel- und Nordeuropa angebaut. Die ersten Anbaugebiete in Deutschland - ab etwa 500 nach Christus - waren Baden-Württemberg und Franken, weswegen der Dinkel auch den Beinamen "Schwabenkorn" erhielt. Ortsbezeichnungen wie "Dinkelsbühl" (mit drei Dinkelähren im Stadtwappen) zeugen noch heute von der damaligen Popularität dieser Getreideart. Zusammen mit den alten Getreidesorten Einkorn und Emmer sowie auch der Gerste gehört Dinkel zu den so genannten "Spelzgetreiden", was sich noch in seinem botanischen Namen "Triticum spelta" widerspiegelt. Bei diesen Getreidearten ist das eigentliche Korn noch von dem schützenden Spelz umgeben, der vor der weiteren Verarbeitung entfernt werden muss. Obwohl Dinkel weniger ertragreich und hinsichtlich Ernte und Verarbeitung arbeitsintensiver als Weizen ist, gilt er als sehr robust und wetterbeständig und lässt sich auch auf kargen, steinigen Böden bis in ca. 1.000 Meter Höhe anbauen. In Oberösterreich hat ein Mühlviertler Bauer durch jahrelange Selektion eine Dinkelsorte entwickelt, die selbst unter rauen Klimabedingungen und schlechten Böden gute Erträge liefert: "Ebners Rotkorn" ist heute die meistverwendete Dinkelsorte in Deutschland und Österreich. Die Benediktinerin Hildegard von Bingen integrierte bereits vor über 900 Jahren Dinkel in ihre gesunde Ernährungslehre: "Es verschafft dem, der es isst ein rechtes Fleisch und bereitet ihm gutes Blut. Die Seele des Menschen macht er froh und voll Heiterkeit". Das Getreide, das aufgrund seines hohen Eiweißanteils bei Sportlern äußerst beliebt ist, enthält alle acht essenziellen Aminosäuren. Zudem sind im Dinkel deutlich mehr Spurenelemente als im Weizen zu finden. Weiters kann Dinkel mit deutlich mehr Magnesium und Eisen punkten. Während der Anteil an Magnesium bei 100 Gramm Weizen rund 100 Milligramm beträgt, sind es beim Dinkel rund 130 Milligramm. Aber nicht nur für die Gesundheit, auch für die Psyche hat der Dinkel einiges zu bieten. Neben der Nervennahrung Vitamin B, sind vor allem die wichtigen Vitamine B1, B2, B3 und B6 reichlich vorhanden. Dinkel beinhaltet Tryptophan, eine Aminosäure, die maßgeblich an der Produktion Glückshormons Serotonin beteiligt ist. Gestaltung: Nikolaus Scholz

Donnerstag 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Töne aus der Vergangenheit

Forscher rekonstruieren Instrumente, Melodien und Klangräume (4). Gestaltung: Madeleine Amberger Wer saß vor zehntausenden Jahren in der Geißenklösterle Höhle und spielte Flöte? Diese Frage können Archäologen - noch - nicht beantworten. Doch wer immer damals in den Höhlen des Schwäbischen Alb lebte, machte Musik. Archäologen fanden eine 43.000 Jahre alte Flöte aus Mammutelfenbein. Ein mindestens ebenso spektakulärer Fund aus derselben Region ist "nur" 35.000 Jahre alt: Die Flöte aus dem Knochen eines Gänsegeiers ist 22 Zentimeter lang, hat fünf Luftlöcher und statt eines Mundstückes eine V-förmige Einkerbung. Doch wie klangen die Töne und Melodien, die Menschen damals spielten? Das wird sich wohl nie rekonstruieren lassen. Denn dazu braucht es zumindest Ansätze einer Notation sowie Überlegungen zu Musiktheorie. Diese finden sich erst in der griechischen Antike. Gedanken zu etwa Harmonielehre sind von den griechischen Philosophen Platon und Aristoteles überliefert. Eines der ältesten erhaltenen Musikstücke ist ein rund 2000 Jahre altes Lied. Der Text und die dazugehörigen Noten sind in einem Grabstein eingemeißelt. Solche Fragmente sowie der Nachbau von antiken Instrumenten wie dem Aulos, einer Flöte mit zwei Zylindern, inspirierten Forscher, alte griechische Musik zu rekonstruieren und aufzuführen. Die Analyse von Tempeln legt den Schluss nahe, dass Menschen schon sehr früh die akustischen Eigenschafte von Räumen berücksichtigten bzw. diese zu nutzen wussten. Die Gänge und Schächte in der 3000 Jahre alten peruanischen Tempelanlage von Chavín de Huántar haben eine überraschene akustische Eigenschaft: Sie leiten die Frequenzen von Muschelhörnern hinaus auf den Zeremonienplatz. In Chichén Itzá auf der mexikanischen Halbinsel Yukatán reflektiert die Pyramide von Kukulkan ein Echo, das dem Ruf eines, von den Maya verehrten Vogels verblüffend ähnlich klingt. In französischen und US-amerikanischen Höhlen des Südwestens klingt das Echo in jenen Räumen am lautesten nach, wo man die meisten Malereien gefunden hat. Forscher stellen zunehmend die Frage: Stecken hinter all dem Zufälle oder Methode? Denn so viel weiß man: Beim Bau früher christlicher Kirchen wurden akustische Prinzipien mitberücksichtigt.

Donnerstag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Eisschmelze Das große Rauschen Wasserknappheit bei uns Rauscht es bald nicht mehr? Das Kalenderblatt 16.1.1952 Sascha Jacobsens Stradivari wird überschwemmt Von Xaver Frühbeis Wasserknappheit bei uns - Rauscht es bald nicht mehr? Autorin: Claudia Steiner / Regie: Axel Wostry Nord- und Südpol, Meereis, aber auch Gletscher leiden unter dem Klimawandel. Der Bericht des Weltklimarats im Herbst 2019 ist alarmierend: So verliert das antarktische Eisschild immer mehr an Masse. Auch in Grönland nimmt der Eisverlust rapide zu. Zugleich erwärmen sich Permafrostböden. Wenn sie auftauen, können große Mengen an klimaschädlichem Methan in die Atmosphäre gelangen. Der Meeresspiegel steigt zudem immer schneller an: Der Anstieg ist mit 3,6 Millimeter pro Jahr derzeit doppelt so hoch wie im Schnitt des 20. Jahrhunderts. Während er im gesamten 20. Jahrhundert um 15 Zentimeter geklettert ist, könnte er bei einer starken Erhöhung der Treibhausgase bis 2100 um rund einen Meter steigen. Für die Bewohner in der Arktis, aber auch für Millionen von Menschen, die fernab des ewigen Eises leben, sind die Folgen dramatisch. Küstennahe Regionen sind bedroht, ganze Inselstaaten dem Untergang geweiht. In Bergregionen wiederum kommt es durch das Abschmelzen der Gletscher zu Lawinen und Erdrutschen. Wasserknappheit bei uns - Rauscht es bald nicht mehr? Autor: Marko Pauli / Regie: Martin Trauner Der überwiegende Teil des deutschen Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Doch dieses wird in Zeiten des Klimawandels immer weniger, in Deutschland und weltweit. Welche Auswirkungen sind zu erwarten, in naher und ferner Zukunft, müssen wir um die Versorgung bangen, drohen Dürren und Trinkwasserknappheit? Auch die Landwirtschaft benötigt immer mehr Wasser, um in trockenen Regionen die Felder bewässern zu können. Legal, aber oft auch illegal werden dafür die Grundwasserreservoirs angezapft. Die Folgen sind nicht nur sinkende Grundwasserpegel, auch Flüsse und Seen führen immer weniger Wasser, wodurch jetzt schon Tierarten gefährdet oder ausgestorben sind. Wasserverschwendung und -verunreinigung verschlimmern die Problematik. Es wird in Deutschland zukünftig Streit geben um die Ressource Wasser, prophezeit das Bundesumweltamt. Moderation: Yvonne Maier Redaktion: Matthias Eggert

Donnerstag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Was ist Wasser? Über das kaum bekannte Leben in den Gewässern der Erde Von Marko Pauli Kaum etwas erscheint so klar und frisch wie das, was aus dem Wasserhahn fließt. Dabei ist das Trinkwasser oft Jahrhunderte alt. Viele Organismen unter der Erde helfen dabei mit, dass es sauber bleibt. Es gibt keinen größeren und älteren Lebensraum auf den Kontinenten als das Grundwasser, dennoch ist er kaum erforscht. In Hannover versucht man dem unterirdischen Leben auf die Spur zu kommen. Auch in den Meeren "ist die Erde uns ein unbekannter Planet", stellt die Meeresforscherin Antje Boetius fest. Es wird geschätzt, dass eine Milliarde noch nicht bekannter Mikrobenarten im Salzwasser leben. Sie fressen Plastik, binden die Klimagase CO2 und Methan und beackern mit dem Tiefseeboden das größte Ökosystem der Erde. Die Mikroben in den Meeren ermöglichen, dass überhaupt Leben an Land existieren kann. Wie sie auf den Klimawandel reagieren, kann nur gemutmaßt werden, doch die Erforschung könnte uns das Leben retten. Ein Schluck Salzwasser bedeutet den Verzehr von etwa einer Million Bakterien. Da stellt sich doch die Frage: Was ist Wasser eigentlich? H2O verhält sich in Versuchen so widersprüchlich, wandlungsfähig und rätselhaft wie keine andere Flüssigkeit.

Donnerstag 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

Der demokratische Rechtsstaat. Mehrheit und Minderheiten (4). Gestaltung: Margarethe Engelhardt-Krajanek Das ABC der Speisepflanzen. A wie Apfel, B wie Bohnen, C wie Chili, D wie Dinkel (4). Gestaltung: Nikolaus Scholz, Sabrina Adlbrecht, Ilse Huber Töne aus der Vergangenheit. Forscher rekonstruieren Instrumente, Melodien und Klangräume (4). Gestaltung: Madeleine Amberger

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