Features im Radio

Features

Donnerstag 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Klimagerechtigkeit

Kann man globale Umweltlasten gerecht verteilen (4)? Gestaltung: Monika Halkort Ein zentraler Ansatz der Idee von Klimagerechtigkeit ist, dass die zentralen Verursacher der Erderwärmung und des Klimaschadens in einer besonderen Verantwortung stehen, den weltweiten CO2 Ausstoß zu reduzieren. Das der Maßstab und die Mittel dafür keineswegs selbstverständlich sind ist während des Klimagipfels in Glasgow im vergangenen Herbst einmal mehr deutlich geworden. Erneut ist es nicht gelungen den Ländern mit dem höchsten Kohleverbrauch (Australien, China, Indien, Russland und den USA) einen verbindlichen Ausstieg aus der fossilen Brennstoffverbrennung abzuringen. Und auch Zusagen für Finanzhilfen, um den Umstieg auf erneuerbare Energien in Schwellen- und Entwicklungsländern zu ermöglichen, blieben so vage und unausgegoren wie zuvor. In der Vergangenheit haben sich solche Angebote zumeist auf Darlehen und Kredite beschränkt, die arme Länder noch weiter in die Verschuldung zwingen und sie verpflichten für Umweltschäden aufzukommen, die sie zwar am stärksten bedrohen, für die sie aber nur bedingt verantwortlich sind. Fragen von Gerechtigkeit lassen sich darüber hinaus nicht auf eine faire Verteilung von Kosten, Nutzen und Belastungen reduzieren. Sie betreffen immer auch den Zeithorizont in dem Schäden und Verluste betrachtet werden und welches Gewicht negativen Folgeerscheinungen beigemessen wird. In der Diskussion rund um Klimagerechtigkeit sind die Forderungen gemeinhin auf die Zukunft ausgerichtet. Damit nehmen sie in erster Linie die Überlebenschancen derjenigen, die noch nicht geboren sind, in den Blick. Die Verantwortung gegenüber denen, die bereits in der Vergangenheit der rücksichtlosen Ausbeutung von natürlichen Ressourcen zum Opfer gefallen sind, bleibt davon unberührt. Dem nicht genug: der unverhältnismäßige Anteil der führenden Industrienationen am weltweiten CO2 Ausstoß - allen voran Europa, Nord Amerika und Australien - wäre ohne die gewaltsame Unterwerfung rohstoffreicher Kolonien in Asien, Afrika und der Arabischen Welt kaum denkbar gewesen. Das toxische Erbe der Europäischen Imperial-Herrschaft bestraft die Länder des Südens damit dreifach. Nicht nur wurde ihnen eine ähnlich rasante Entwicklung zu globalen Technologie- und Wirtschaftsmächten versagt, ihre gewaltsame Vereinnahmung als Quelle billiger Arbeitskraft und Rohstoffe hat diese ungleiche Entwicklung sogar noch befeuert. Und sie zahlen auch die Umweltkosten dafür. Vor diesem historischen Hintergrund scheint die Frage nach einem angemessenen Maßstab für Klimagerechtigkeit weitaus schwieriger zu beantworten, als es im eng gefassten Zeitraster der Gegenwart ohnehin schon ist. Doch ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Nord und Süd um einen Ausweg aus der Krise zu finden ist weit und breit nicht in Sicht.

Donnerstag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Die Forscherfamilie Piccard Von der Ballonfahrt bis zur Tiefsee Rudolf Diesel Zwischen Genie und Versagen Das Kalenderblatt 27.1.1929 Den Brüdern Sass gelingt der Einbruch in den Tresorraum der Berliner Diskontobank Von Sebastian Kirschner . Die Forscherfamilie Piccard - von der Ballonfahrt bis zur Tiefsee Autorin: Miriam Garufo / Regie: Kirsten Böttcher Ihre Erfindungen und Forschungsreisen klingen alle wie aus einem fantastischen Science-Fiction Film. Eigentlich ein Wunder, dass Hollywood sie noch nicht entdeckt hat: die Piccards. Es gibt kaum eine andere Forscher-Familie, die über drei Generationen mit waghalsigen Abenteuern und Weltrekorden, bahnbrechenden Pionierleistungen und Ideen die Öffentlichkeit so sehr für Technik und Naturwissenschaften begeistert haben. Angefangen 1931 mit Auguste Piccard, der in einem Ballon als erster Mensch überhaupt in die Stratosphäre aufgestiegen ist und ganz nebenbei die moderne Luftfahrt revolutioniert hat. Über seinen Sohn Jacques Piccard, der 1960 als erster Mensch zum tiefsten Punkt der Erde hinab getaucht ist; bis zum Enkel Bertrand Piccard, der als Erster 2016 mit einem Solarflugzeug um die Welt geflogen ist. Entdeckerfreude - das ist das passendste Wort, um die Forscher-Dynastie zu beschreiben. Doch das alles geht nicht ohne Risiken, Rückschläge und Konflikte. Was alle drei Piccard-Männer eint: Ohne die Unterstützung ihrer Familien und Frauen, die für sie den Alltag regeln, wären sie vermutlich nie so weit gekommen. Rudolf Diesel - zwischen Genie und Versagen Autor: Stephan Lina / Regie: Martin Trauner Er ist auf deutschen Straßen allgegenwärtig: der Diesel-Motor. Trotz aller Diskussionen rund um Umweltbelastung und Fahrverbote wird knapp die Hälfte aller Autos mit Diesel-Antrieb gekauft, bei den Nutzfahrzeugen sind es nahezu 100 Prozent. Auch bei Schiffen dominiert der Selbstzünder als Antrieb, und lange Zeit hatten auch Fabriken kleine Diesel-Kraftwerke. Hinter dieser Allgegenwart steckt die Idee eines einzelnen Mannes: Rudolf Diesel. Im schwäbischen Augsburg entwickelte er zum Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag des heutigen MAN-Konzerns einen Motor, der auf einen Schlag die Welt veränderte und zum Beispiel die Dampfmaschine obsolet machte. Hinter dieser genialen Erfindung steckt allerdings auch eine gewisse Tragik. Rudolf Diesel war ein Getriebener, der mit verbissenem Durchsetzungsvermögen einer bescheidenen Herkunft entkommen wollte. Der Erfolg seiner Erfindung ermunterte ihn zudem zu Selbstüberschätzung. Er entwarf nicht nur technische Neuerungen, sondern glaubte sich auch in der Lage, die sozialen Probleme seiner Zeit mit revolutionären Ideen lösen zu können, was kläglich scheiterte. Dazu kamen Fehlinvestitionen, die den genialen Erfinder finanziell ruinierten. Am Ende stand ein mysteriöser Tod, als Rudolf Diesel bei einer Schiffsfahrt nach Großbritannien spurlos verschwand. Bis heute halten sich Gerüchte über einen von Geheimdiensten organisierten Mord. Wahrscheinlicher aber ist, dass Diesel - geplagt von finanziellen Sorgen - freiwillig aus dem Leben schied. BR 2019 Moderation: Iska Schreglmann Redaktion: Iska Schreglmann

Donnerstag 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Belarus" Aufbruch ins Ungewisse

Wie sich der letzte Diktator Europas behauptet (4). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch Noch vor wenigen Jahren galt Belarus als weißer Fleck auf der Landkarte von Europa. Es war ein weitgehend unbekanntes Land, aus dem selten Nachrichten in die internationalen Medien gelangten. In der Regel war dann von Staatspräsident Lukaschenko die Rede, dem letzten Diktator Europas, wie er genannt wurde und wird. Im Jahr 2020 standen die Zeichen auf Veränderung. Massenproteste nach gefälschten Wahlen erfassten größere Teile der Bevölkerung als je zuvor. Die Belarussen überwanden die Passivität, die ihnen stets nachgesagt wurde. Die rege Beteiligung, teils sogar führende Rolle von Frauen an den Protesten sorgten für Aufsehen. Prominente Aktivist/innen, von denen nicht wenige inzwischen festgenommen wurden, gingen von Anfang an davon aus, dass ein politischer Wandel Jahre dauern werde. Alexander Lukaschenko konnte sich zunächst als Präsident behaupten, wobei er Unterstützung vom russischen Nachbar erhielt, der seit langem an einer engeren Anbindung von Minsk an Moskau interessiert war. Wie kann es weitergehen: Diese Frage beschäftigt nun die Zivilgesellschaft. Auch die EU ist gefordert, denn vor allem die Nachbarländer von Belarus, Litauen, Lettland und Polen fühlen sich durch die Flüchtlings- und Migrationspolitik von Minsk bedroht.

Donnerstag 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Der Star-Dirigent Teodor Currentzis

Genie oder Scharlatan (4)? Gestaltung: Thomas Miessgang, Marie-Therese Sekwenz Teodor Currentzis gehört zu den faszinierendsten und gleichzeitig umstrittensten Dirigenten der Gegenwart. Kritiker sprachen zuletzt, etwa anlässlich seiner Auftritte bei den Salzburger Festspielen im vergangenen Sommer, von einem "schamlosen Egotrip" des Musikers und nannten ihn einen "Sektenführer" oder "Egomanen". Seine Anhänger hingegen verehren Currentzis wie einen Guru und pilgern hunderte von Kilometern, um eines seiner Konzerte zu sehen. Der Dirigent schafft es jedenfalls, im Gespräch zu bleiben und Öffentlichkeit und Feuilleton immer wieder neue Debattennahrung zu liefern. Die Karriere des 1972 in Athen geborenen Teodor Currentzis, den alle nur Teo nennen, gehört jedenfalls zu den ungewöhnlichsten der neueren Musikgeschichte. Schon als junger Mann zog er nach Sankt Petersburg, um dort bei der Dirigentenlegende Ilja Musin zu studieren. Danach arbeitete er in Nowosibirsk und Perm am Ural, wo er mit seinen Musikern wie in einer "Patchwork-Familie" lebte und in jahrelanger Arbeit seinen Klangkörper MusicAeterna formte, sowie den Neuen Sibirischen Sänger-Kammerchor gründete und 2018 den MusicAeterna Byzantina. Currentzis, der den traditionellen Frack des Dirigenten verabscheut und seine Streicher gern stehend spielen lässt, scheut vor den "Evergreens" der klassischen Musik nicht zurück, verpasst aber beispielsweise der 5. Sinfonie von Beethoven derart ungewöhnliche Tempi und Dynamiken, dass das alte Schlachtross wieder frisch und unerhört klingt. Der Mann aus Perm galt bald als Hoffnungsträger eines in seinen Routinen erstarrten Klassikbetriebes und inszenierte sich gerne als Rebell, der die Szene aufmischen wollte. Richtig berühmt wurde er in den Zehnerjahren, als er erst Mozarts "Requiem" und dann den Da Ponte-Opernzyklus auf Platte einspielte. Seit 2019 ist Currentzis auch als Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters tätig. Im Lauf der Jahre hat sich ein Currentzis-Kult entwickelt, der sicherstellt, dass der Musiker regelmäßig an allen Ersten Häusern und bedeutenden Festivals auftreten kann und dort geradezu rituell bejubelt wird. Wobei sich MusicAeterna keinesfalls nur auf die "Crowd Pleaser" der klassischen Tradition verlässt, sondern auch einen erheblichen Anteil zeitgenössischer Musik, häufig Uraufführungen, im Repertoire hat. Mittlerweile lebt und wirkt die Currentzis-Organisation in Sankt Petersburg und arbeitet in den Räumlichkeiten des "Dom Radio" an der Vervollkommnung des MusicAeterna-Klanges und am Ausbau des Repertoires - Probenzeiten werden nicht in Minuten und Stunden gemessen, sondern in Ergebnissen. Dass Teodor Currentzis nicht an mangelndem Selbstbewusstsein leidet, geht aus einem Satz hervor, den er einem britischen Journalisten nach ein paar Drinks diktierte, später aber wieder abschwächte: "Geben Sie mir fünf oder zehn Jahre, dann werde ich die klassische Musik retten."

Donnerstag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Die Gams Anmutiger Bergbewohner Der Steinbock Majestätischer Gipfelstürmer Das Kalenderblatt 27.1.1929 Den Brüdern Sass gelingt der Einbruch in den Tresorraum der Berliner Diskontobank Von Sebastian Kirschner . Die Gams - anmutiger Bergbewohner Autorin: Carola Zinner/ Regie: Martin Trauner Sie gelten als klassische Bewohner des Hochgebirges: Mit ihren großen Hufen sind Gämsen gut ausgerüstet für die Nahrungssuche, die sie bis in die extremsten Lagen führt. Die weiblichen Tiere - etwa 120 cm hoch und rund 35 Kilogramm schwer - leben mit dem Nachwuchs in größeren Herden, zu denen sich erst im Spätsommer die Böcke gesellen. Bei Auseinandersetzungen mit Rivalen sträuben die männlichen Tiere den "Gamsbart", das lange Rückenhaar. Es galt und gilt bei Jägern als begehrte Trophäe, die zum bekannten Hutschmuck weiterverarbeitet wird. Doch auch das Fleisch und Fell der Tiere ist hochgeschätzt. An eine weiße Gams allerdings, wie sie derzeit im Nationalpark von Berchtesgaden unterwegs ist, wird niemand Hand anlegen. Besagt doch ein alter Spruch, dass jeder, der ein solches Geschöpf erlege, noch im selben Jahr sterben muss. BR 2017 Der Steinbock - majestätischer Gipfelstürmer Autorin: Renate Kiesewetter/ Regie: Frank Halbach Fast hätte man ihn im 19. Jahrhundert ausgerottet. Der Steinbock wurde gnadenlos bejagt. Strenge Schutzmaßnahmen aber ließen aus einer verbleibenden Restpopulation von nur etwa 80 Tieren im Gebiet des italienischen Gran Paradiso eine neue Population entstehen. Heute leben im Alpenraum über der Waldgrenze bis hin zu eisigen Dreitausendern wieder etwa 45.000 Exemplare dieser Wildziegenart. Doch nur selten bekommt man die geschickten und scheuen Kletterer zu Gesicht. Besonders beeindruckend sind die imposanten Böcke: Etwa 130 Kilo bringen sie auf die Waage, bis zu einem Meter lang können ihre gewaltigen Hörner werden. Damit führen sie in der Brunftzeit brachiale Rangkämpfe um die zierlicheren Geißen aus. Dieses gewaltige Gehörn war zu Hochzeiten der Steinbock-Jagd eine begehrte Trophäe. In den harten Wintern fahren die zähen Wiederkäuer ihren Stoffwechsel herunter, um der Kälte und dem geringen Nahrungsangebot trotzen zu können. BR 2018 Moderation: Yvonne Maier Redaktion: Bernhard Kastner

Donnerstag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Odyssee der Quietsche-Enten Was Planschtiere aus Plastik über den Klimawandel verraten Von Lutz Reidt Vor China vom Schiff gespült, reisen zehntausende Plastikenten seit 30 Jahren über die Ozeane. Das havarierte Spielzeug steht jetzt im Dienste der Wissenschaft: Mit ihm werden Strömungsmodelle getestet. Im Januar 1992 verliert ein Containerschiff bei einem schweren Wintersturm über dem Nordpazifik einen Teil seiner Ladung - darunter 29.000 bunte Planschtiere aus Plastik. Gefangen im Strudel der Weltmeere steht ihnen eine jahrelange Odyssee um den halben Globus bevor: vorbei an den Brennpunkten des Klimawandels. Vom Nordpazifik durch die Beringstraße ins Packeis der Arktis, dann an Grönland vorbei Richtung Nordamerika, wo sie irgendwann der Golfstrom packt und Wochen später an die britischen Küsten spült. Doch der Golfstrom, so hat es den Anschein, wird schwächer. Das Eis in der Arktis schwindet zusehends. Und auch das Klimageschehen in Europa spitzt sich zu. Könnten die Planschtiere sprechen, würden sie Dramatisches von ihrer Reise erzählen.

Donnerstag 22:03 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Freispiel

Kurzstrecke 118 Feature, Hörspiel, Klangkunst - Die Sendung für Hörstücke aus der freien Szene Zusammenstellung: Marcus Gammel, Ingo Kottkamp und Johann Mittmann Produktion: Autor:innen / Deutschlandfunk Kultur 2021 Länge: 56"30 (Ursendung) Wdh. am 11.02.2022, 00.05 Uhr Ungewöhnlich und nicht länger als 20 Minuten: Wir stellen regelmäßig innovative, zeitgemäße, radiofone Hörstücke vor. In der Kurzstrecke präsentieren wir heute unter anderem: Sterne ohne Tatsachen Von Anna Lila May Tape Head Von Sebastian Hocke Trans placed Von Hadi Bastani und Maryam Sirvan Außerdem: Neues aus der "Wurfsendung" mit Julia Tieke. Neue Hörkunst aus der freien Szene. Heute mit einem Besuch im Hotel des Popstars Pete Doherty. Hörspiel: Neue Autorenproduktionen Kurzstrecke 118

Donnerstag 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

Klimagerechtigkeit. Kann man globale Umweltlasten gerecht verteilen (4)? Gestaltung: Monika Halkort Belarus" Aufbruch ins Ungewisse. Wie sich der letzte Diktator Europas behauptet (4). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch Der Star-Dirigent Teodor Currentzis. Genie oder Scharlatan (4)? Gestaltung: Thomas Miessgang

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