Features im Radio

Features

Mittwoch 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Die präventive Wende

Vorbeugende Maßnahmen im Gesundheits- und Rechtswesen (3). Gestaltung: Christa Nebenführ Mit der Entdeckung einer vorbeugenden Impfung gegen Infektionskrankheiten im 18. Jahrhundert entstand ein Konflikt, der bis heute nicht ganz gelöst ist. Arthur Köstler erzählt in seinem Anti-Stalinistischen Roman "Sonnenfinsternis" aus dem Jahr 1940 von einem sowjetischen Bauern im Gulag, der sich weigert, seine Kinder für eine Schutzimpfung "mit Nadeln stechen" zu lassen. Der Impfkonflikt schwelt immer noch und hat im Zuge der Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie neuen Aufschwung genommen. Prävention ist seit den 1970er Jahren aber nicht nur ein Thema der Gesundheitsfürsorge, sondern auch des Strafrechts. Maßgebliche Rechtswissenschaftler konstatieren eine Akzentverschiebung von Verbrechen und Strafe hin zur Kriminalitätsprävention. Bildungs- und Beratungsangebote können Menschen in schwierigen sozialen Lagen helfen, Straffälligkeit zu vermeiden. Profiling, bei dem Mitbürger nach willkürlichen Merkmalen ohne Verdacht angehalten und durchsucht werden, erzeugt jedoch oft das Gefühl von Hilflosigkeit, Erniedrigung und letztendlich Wut, die unter Umständen in Straftaten mündet. Sowohl in der Gesundheits- als auch in der Sozial- und Rechtspolitik ist Prävention ein Instrument, das mit sorgfältiger Balance gehandhabt werden muss. Auch in der individuellen Lebensplanung ist zu bedenken, dass das Streben nach Perfektion in Zwänge - wie beispielsweise Essstörungen - münden kann. Man könnte sich fragen, ob Gesundheitsbewusstsein bzw. -vorsorge auch übertrieben werden kann. So mancher Rat wird dabei mit fragwürdigen Statistiken zum Gewinn bzw. Verlust von Lebensjahren untermauert.

Mittwoch 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Moral im Straßenverkehr Das Recht des Stärkeren? Schlechtes Gewissen, gutes Gewissen Was Moral mit uns macht Das Kalenderblatt 21.10.1992 Madonnas Bildband "SEX" löst Skandal aus Von Prisca Straub Moral im Straßenverkehr - das Recht des Stärkeren? Autorin: Justina Schreiber / Regie: Frank Halbach Da nimmt dieser Depp einem die Vorfahrt! Hier steht ein dämlicher Bauernporsche im Weg. Und dort zischt ein Radrowdy haarscharf an einer Seniorin vorbei. Fäuste werden geschüttelt, Schimpfwörter gebrüllt. Ja, es kommt sogar zu Prügeleien und mutwilligen Rempeleien oder Tritten in eine Wagen-Karosserie. Im Straßenverkehr wandeln sich friedliche Bürger und Bürgerinnen zu angriffslustigen Unsympathen. Für acht von zehn Deutschen, so der Verein Verkehrssicherheitsrat, gehört Aggression zur Fortbewegung im öffentlichen Raum. Ohne zu fluchen, kommt man wohl nicht mehr vorwärts. Klar, der allgemeine Stresspegel steigt. Denn vor allem in den Städten schrumpft der frei verfügbare Raum und die verschiedenen Nutzergruppen geraten sich schnell ins Gehege. Aber muss man deshalb so schnell die Fassung verlieren? Fast scheint es, als bräche sich im modernen Stopp-and-go-Verkehr das Tier im Menschen Bahn - getrieben von dem Gefühl, von Feinden umgeben und selbst im Recht zu sein. Die selektive Wahrnehmung tut ein Übriges, dass Anstand und Moral schnell zur Disposition stehen. Schlechtes Gewissen, gutes Gewissen - was Moral mit uns macht Autorin: Veronika Wawatschek / Regie: Martin Trauner Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich nach Australien fliege? Weil meine CO2-Bilanz mir Gewissensbisse macht? In unserer globalisierten Welt scheint alles erlaubt. Groß geschrieben wird die Freiheit des Einzelnen. Moralapostel gelten als die ewig Gestrigen. Und dochist das Gewissen allgegenwärtig: gewissenlos, gewissenhaft, guten Gewissens, mit schlechtem Gewissen - unser tägliche Sprachgebrauch zeigt, dass die Moral nicht ausgedient hat. Zwar mögen sich Werte verändern. Gleichgültig aber reagiert kaum jemand, wenn Normen verletzt werden. Das Gewissen und das moralische Handeln waren früher vor allem Sache der Theologen und Philosophen. Inzwischen hat auch die Hirnforschung die Moral entdeckt. Moderation: Gabi Gerlach Redaktion: Susanne Poelchau

Mittwoch 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Friedrich Engels

Der Fabrikant, der den Marxismus erfand (3). Gestaltung: Günter Kaindlstorfer Wer Marx sagt, muss auch Engels sagen. Dem 1820 geborenen Fabrikantensohn aus Wuppertal hat man im Verlauf des 20. Jahrhunderts viele Denkmäler gebaut: in Shanghai, Moskau und Berlin, in Dresden und Kalkutta. Jenseits realsozialistischer Heiligenverehrung war Friedrich Engels ein kraftvoller und originärer Denker, ein blendender Stilist und kreativer Philosoph, der bahnbrechende Schriften zur Dialektik von Natur und Gesellschaft, aber auch zu Fragen von Kolonialismus, Naturwissenschaft und Feminismus vorgelegt hat. Nach dem Tod von Karl Marx war er es, der das Erbe seines Freundes verwaltet und als einflussreicher Organisator in die "Zweite Internationale" eingebracht hat. Im Grunde war Friedrich Engels es, der den "Marxismus" erst erfunden hat. Dabei war der lebenslustige Baumwoll-Magnat, der zwanzig Jahre lang eine Textilfabrik in Manchester geleitet hat, im Gegensatz zu asketischeren Vertretern der Arbeiterbewegung durchaus kein Verächter irdischer Genüsse. Der britische Historiker Tristram Hunt zeichnet Friedrich Engels in seiner erfrischenden Biographie als beschwingten Hedonisten, der die Freuden der Fuchsjagd ebenso zu schätzen wusste wie eine Schale Hummersalat oder eine fachgerecht dekantierte Flasche Château Margaux. Friedrich Engels zeigte sich überzeugt, dass Marx ein "Genie" und er bloß ein "Talent" gewesen sei. Tristram Hunt und andere Zeitgenossen sehen das anders. Für sie war der viktorianische Baumwoll-Lord ein eigenständiger und bemerkenswert offener Denker, der die doktrinäre Interpretation seiner und Marxens Theorien im Leninismus und erst recht im Stalinismus radikal abgelehnt hätte. Engels zählte, wie Karl Marx, zu den glühendsten Bewunderern und zugleich zu den schärfsten Kritikern der heute herrschenden Wirtschaftsweise. Der Mitverfasser des "Kommunistischen Manifests" hat immer wieder darauf hingewiesen, dass der Kapitalismus erst dann einem solidarischeren Wirtschaftssystem Platz machen könnte, wenn er zur globalen Kraft aufgestiegen sei. Eine Entwicklung, die gerade eben im Gange ist. Ein Radiokolleg von Günter Kaindlstorfer zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels.

Mittwoch 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Zwischen Brecht und Broadway

Die zwei Karrieren des Theaterkomponisten Kurt Weill (3). Gestaltung: Alexandra Faber Mit der "Dreigroschenoper" landet Kurt Weill gemeinsam mit dem Dramatiker Bertolt Brecht im Jahr 1928 einen Sensationserfolg. Mit Liedern wie der "Moritat von Mackie Messer" zeigt sich der Komponist als genialer Melodienschreiber, seine musikalischen Hits werden später zu Jazz-Standards, und- wie etwa der "Alabama-Song" - auch von der Rockband "The Doors" gecovert. Kurt Weill verblüfft noch heute in seiner stilistischen Vielfalt. Der vor 120 Jahren in einer jüdischen Kantorenfamilie in Dessau geborene Musiker schreibt Symphonien, Werke für Ballett, Liederzyklen und eine Kantate für das damals neue Medium Radio. Mit seinem populären Musikstil revolutioniert er das Musiktheater. Diese Reform setzt er nach seiner Emigration in die USA fort: Weill knüpft Kontakte zu den besten Broadway-Autoren dieser Zeit und verwirklicht mit "Street scene" seinen Traum einer amerikanischen Oper, einer Mischung aus Broadway-Musical und europäischer Oper. Dieser "amerikanische" Weill wurde in der Forschung als kommerziell abgetan und wenig geschätzt. Erst in den letzten Jahren würdigt man zunehmend Weills Verdienste um ein literarisch und musikalisch anspruchsvolles, neues Musiktheater.

Mittwoch 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Affekte Starke Gefühle im Schnelldurchlauf Rache Süßes Gefühl mit bitteren Folgen Das Kalenderblatt 21.10.1992 Madonnas Bildband "SEX" löst Skandal aus Von Prisca Straub Affekte - starke Gefühle im Schnelldurchlauf Autorin: Valerie von Kittlitz / Regie: Irene Schuck Affekte begleiten uns jeden Tag. Wir haben einen "Wutanfall", wir brechen in Tra¨nen aus oder in Gela¨chter, uns "rutscht" gar die Hand aus: Affekte sind impulsive, scheinbar schwer kontrollierbare Gemu¨ts- und Gefu¨hlsregungen, die wir in uns und an unseren Mitmenschen erleben. Meist ist die Affekthandlung von einer Einschra¨nkung der kognitiven Wahrnehmung begleitet; eine Art Tunnelblick entsteht, und sei es fu¨r Sekunden. Dieser Kontrollverlust macht Affekte so spannend - und so gruselig. Die meisten Menschen kennen den Begriff aus der Justiz: Bei Totschlag im Affekt greift ein geringeres Strafmaß. Kant wollte die Affekte unterdrückt wissen; Spinoza entwickelte seine "Ethik" in der U¨berzeugung, dass sie einen Schlu¨ssel zur Selbsterkenntnis darstellten. Affekte und Reaktionen darauf sind in jedem Menschen, ja auch kulturell unt erschiedlich ausgepra¨gt. Und dynamisch: "Affekte stecken an", sagt der Psychologe Rainer Krause. Und obwohl Konsens herrscht, dass die Sozialisierung unser Affektverständnis formt, und so politisches und gesellschaftliches Handeln bestimmt, wird es keine einheitliche Affektlogik geben ko¨nnen: der Traum von reibungsloser zwischenmenschlicher Kommunikation bleibt Utopie oder mutiert zur politischen Ideologie. Was bleibt ist der Schlu¨ssel zur Selbsterkenntnis, oder, wie Spinoza es formulierte: "Der Affekt ist die Kraft und der Geist ist der Zügelhalter." Rache - süßes Gefühl mit bitteren Folgen Autorin: Daniela Remus / Regie: Eva Demmelhuber Käse hinter der Heizung verstecken, Autoreifen zerstechen oder Unkrautsamen in den Nachbargarten werfen - wer Rachegedanken hegt, dem scheint jedes Mittel recht zu sein, um erlittenes Unrecht zurückzuzahlen. Sozial und moralisch aber sind Rachegefühle in unserem Kulturkreis kaum noch akzeptiert. Das war nicht immer so. Lange gehörten Rachetaten als Mittel zur Rechtswahrung dazu. Rache galt in der Antike als ein Akt der Gegenseitigkeit, als Erwiderungsmoral, um Regelverletzungen zu ahnden. Heute weiß man, Rache schmeckt zwar kurzfristig oft "süß", aber sie verstellt meist den Weg auf eine Einigung und beendet Beziehungen endgültig. Und auch bei Rächerin und Rächer führt die lange geplante und dann endlich geübte Rachetat nicht zwangsläufig zum erwarteten Zufriedenheitsgefühl. Moderation: Florian Kummert Redaktion: Susanne Poelchau

Mittwoch 19:00 Uhr rbb Kultur

FEATURE

75 Jahre Benesch-Dekrete Vertreibung Das Sudetenland Von Vít Polácek und Matthias Schmidt Regie: die Autoren Produktion: MDR 2020 - Ursendung -

Mittwoch 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Finsteres Mittelalter, strahlende Moderne Eine Kulturgeschichte des Lichts Von Ulrich Land

Mittwoch 22:00 Uhr MDR KULTUR

Karl Foerster ­ Gärtner, Staudenzüchter, Literat

Feature von Angelika Mieth Karl Förster bevorzugte, die leisen Töne und war zeitlebens ein Mensch, der Aufsehen vermied und lieber durch seine Arbeit, sein Wesen, seine Entscheidungen wirken wollte. Seine Zeitgenossen und Freunde nannten ihn den "Seelenarzt von Potsdam" oder den "Pflanzenzauberer" und Gartenfreunde verdanken dem "Staudenförster" viele Züchtungen zum Beispiel bei Phlox und Rittersporn. Doch Karl Foerster war auch ein Philosoph und Sätze wie: "Die Blume erweist sich als größerer Pionier eines neuen Verhältnisses zwischen Welt und Seele, als wir ahnen" basieren auf jahrelangen Forschungen und Überlegungen. Karl Foerster starb vor 50 Jahren, doch seine Bücher erscheinen heute, in Zeiten des Klimawandels, aktueller denn je. In dokumentarischen O-Tönen aus dem Jahr 1986 erinnern sich Freunde und vor allem seine Frau Eva an einen bewundernswerten Visionär. Regie: Fritz-Ernst Fechner Produktion: Rundfunk der DDR 1986 / MDR 2020

Mittwoch 22:03 Uhr SWR2

SWR2 Feature

Ägypten unter Al-Sisi das ARD radiofeature Ein Feature über die zerschlagene Revolution Von Martin Durm (Produktion: SWR 2020) Kairo - bald zehn Jahre nach dem arabischen Frühling. Von den Träumen des Tahrir-Platzes ist nichts geblieben. Viele von denen, die 2011 für ein freies, besseres Leben kämpften, haben resigniert. Oder sie sind geflüchtet. Oder sie sitzen in den Gefängniszellen des Militärregimes. Sisis diktatorischer Regierungsstil kommt derweil im Westen gut an. Weil er Dschihadisten bekämpft und Migranten den Weg nach Europa verwehrt, wird das Regime hofiert und hochgerüstet. 2019 war Ägypten der wichtigste Empfänger deutscher Rüstungsexporte außerhalb der EU.

Mittwoch 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

Die präventive Wende. Vorbeugende Maßnahmen im Gesundheits- und Rechtswesen (3). Gestaltung: Christa Nebenführ Friedrich Engels. Der Fabrikant, der den Marxismus erfand (3). Gestaltung: Günter Kaindlstorfer Zwischen Brecht und Broadway. Die zwei Karrieren des Theaterkomponisten Kurt Weill (3). Gestaltung: Alexandra Faber

Mittwoch 22:30 Uhr HR2

Jazzfacts

What"s going on? - Features, Interviews und was die Szene (um-)treibt | Bop Till You Drop! - Charlie Parker... und läuft und läuft und läuft... Bop Till You Drop! - Der Feuervogel kennt keinen Spannungsabfall, er spielt immer weiter: Charlie Parker und die Geburt des modernen Jazz

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